Venezianische Klangperlen – Jan Vogler und das La Folia Barockorchester im Meisterkonzert

Natürlich war der Konzertsaal der Musikhochschule bis auf den letzten Platz besetzt. Wenn Jan Vogler ein neues Konzertprogramm und die neue CD »Concerti di Venezia« vorstellt, ist das Interesse selbstverständlich groß. Auch diesmal wieder, als er zum zweiten Mal nach 2007 (»Concerti brillanti« mit dem Münchner Kammerorchester unter Reinhard Goebel) in barocke Klangpracht eintauchte. Doch gilt der eigentliche Ruhm für das Projekt dem Orchester und seinem Leiter Robin Peter Müller, welche die Idee hatten und Jan Vogler mit einer Partitur Nicola Porporas Concerto G-Dur köderten. Für die CD-Aufnahme und die nachfolgenden Auftritte hat sich der künstlerische Leiter der zum Moritzburg Festival gehörenden Konzertreihe extra sein Stradivari-Cello umbauen und Darmseiten aufziehen lassen.

Ein Programm mit venezianischer Barockmusik kann selbstverständlich auf Antonio Vivaldi nicht verzichten. Gleich vier Werke (incl. einer Zugabe) aus seiner Feder fanden sich auch im Programm des Konzertabends wieder. Mit der Sinfonia zur Oper »L’Olimpiade« begann das Barockorchester und brannte auch gleich mit heftigem Bogenstrich und scharfen Betonungen ein Feuerwerk ab. Doch weiteten sie dieses lebhafte Spiel nicht zu einem »Dauerbeschuß« aus, sondern gestalteten den Abend abwechslungs- und spannungsreich. Schön auch, daß »La Folia« nicht nur begleitender Partner war, sondern zwischen den Cello- bzw. Doppelkonzerten mit zwei venezianischen Orchesterstücken Tomaso Albinonis aufwarten konnte. Seine Concerti aus Opus 5 in D-Dur (Nr. 3, im Grunde ein verkapptes Violinkonzert) und c-Moll (Nr. 5) gerieten lebhaft und pulsierend und standen den Stücken mit Jan Vogler weder in der Qualität der Darbietung noch in der Brillanz der Werke nach.

Der Solocellist betrat mit Antonio Caldaras Konzert d-Moll die Bühne. Jan Vogler (so sagte er später selbst) ist überzeugt, daß die venezianischen Konzerte ihren Ursprung im Gesang und den langsamen Sätzen hätten. Für diesen Gedanken stand schon das Caldara-Konzert Pate, denn Solist und Orchester spielten es, als handelte es sich um eine Oper. Hier sang nicht nur das Soloinstrument, sondern alle Streicher!

Doch wie findet man den Höhepunkt in einer Kette von Höhepunkten? Vivaldis atemberaubendes Doppelkonzert, in dem Robin Peter Müller und Jan Vogler ein furioses Duo bildeten, war sicher einer. Aber Nicola Porporas bereits angesprochenes Concerto mindestens ebenso. Und natürlich stand es am (offiziellen) Schluß des Abends. Man muß den Musikern ein großes Lob dafür aussprechen, daß sie einerseits permanent »auf der Stuhlkante« und mit vollem Risiko musizierten (auch wenn sie standen), andererseits aber soviel Zurückhaltung und Ausgewogenheit bewahrten, ein Übermaß an Energie zu vermeiden. Sie gestalteten die venezianischen Stücke sinnlich und betörend – selten überträgt sich die Spielfreude so intensiv wie am Donnerstag im Konzertsaal der Musikhochschule und wandelt sich so ungeminderten in Hörfreude des Publikums.

Als Zugaben gab es drei Stücke, die ebenso auf der neuen CD enthalten sind: Den langsamen Satz aus Alessandro Marcellos berühmten Oboenkonzert – hier natürlich in einer Bearbeitung für Violoncello –, ein Allegro aus Antonio Vandinis Concerto D-Dur (übrigens eine Weltersteinspielung und Dresdner Erstaufführung) sowie eine weitere Bearbeitung – ich dachte schon, das wunderschöne Stück wollten sie unterschlagen! –: die Arie »Gelido in ogni vena« aus Antonio Vivaldis Oper »Farnace«.

Ganz klar – dieses Konzert war ein ganz besonderes im Jahrgang 2014. Doch ebenso ragt die CD heraus, der man einen Suchtcharakter nicht absprechen kann.

28. November 2014, Wolfram Quellmalz

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