Von burlesk bis verinnerlicht – das etwas andere Meisterkonzert

Schon dreieinhalb Jahre ist es her, daß Herbert Schuch (Klavier), Ramón Ortega Quero (Oboe) Sebastian Manz (Klarinette), David Fernández Alonso (Horn) und Marc Trénel (Fagott) diese ungewöhnlichen Quintette aufgenommen haben – jenes von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 452) und das Ludwig van Beethovens (op. 16), beide übrigens in Es-Dur. Marc-Antoine Charpentier hatte den Charakter dieser Tonart einst mit »grausam« und «roh« beschrieben, Johann Mattheson fand sie pathetisch, ernst oder klagend, Christian Daniel Friedrich Schubart wiederum ordnete sie zwischen Liebe, traurigem Zwiegespräch mit Gott und der Dreifaltigkeit ein. Von all dem war am Donnerstagabend aber wenig zu hören – soweit zur Theorie.

Quintette in der Besetzung Klavier und vier Bläser sind ungewöhnlich, und eigentlich gibt es nur diese beiden Werke, die sich auf dem Weg zum Konzertpodium durchgesetzt haben. (Doch sind es trotzdem nicht die einzigen, wie wir im vergangenen Jahr bei der Philharmonie erfahren durften – Jörg Widmann und Moritz Eggert haben sich auch an Mozart orientiert.)

Mozart galt das Schlußwort im Programm des Meisterkonzertes. Zuvor erklang – wie auf der CD – das Beethoven-Werk, und davor hatten die vier Bläser das von Sebastian Manz arrangiertes »Petite quatuor« Quartett für vier Saxophone von Jean Franҫaix gesetzt. Launig, burlesk, heiter leiht sich das Quartett ein wenig Jazz, holt ihn aber in die Welt der neueren Klassik – und verweigert sich einer konkreten oder gewohnten Zuordnung. Die vier Bläser, allen voran Ramón Ortega Quero und Sebastian Manz, die sich im Duett anstachelten, gerieten in einen regen Austausch, kamen so richtig in Rage – da war es, als wären bei »Peter und der Wolf« Ente, Großvater und Katze gleichermaßen außer Rand und Band… Wer war dort doch gleich das Horn?

Was da so heiter klang, ist nur mit viel Können und Ernsthaftigkeit zu erreichen. Und davon gab es in den beiden klassischen Quintetten, nun mit Herbert Schuch am Klavier, viel zum Hören und Staunen. Vollkommen ungewohnt allein beim Hören, wechseln auch die Rollen der Teilnehmer und sind nicht so festgefügt, wie beispielsweise beim klassischen Klavierquintett mit Streichern. Da ist das Klavier nicht nur Begleiter und Duett-Partner, sondern auch Orchester, quasi »Grundierung«. Schon Beethoven greift hier Mozart auf, findet aber auch schöne Walzer – schöne Unterhaltungs- oder Harmonie-Musik ist das eben auch. Es-Dur ist oh? Grausam!? Mitnichten! Mozart, selbst ein »Schlawiner« hat auch allerlei Neckereien für die Musiker eingebaut, da fährt das Horn schon einmal in den regen Austausch des Duetts Oboe und Klarinette, die an diesem Abend häufig beieinander sind. Die fünf Musiker haben aber auch allerhand »Schlawinertum« und große Freude an dieser Musik, auch fast vier Jahre nach der Aufnahme hat sich das noch nicht abgenützt.

Herbert Schuch, um den sich das Quintett einst gefunden hat, bekam auch noch Gelegenheit »gegen« das einleitende Bläserquartett auszugleichen. Nach der Pause spielte er allein noch einen großen Wiener Klassiker – Schubert. In zwei seiner drei Klavierstücke D 946, auch in Es-Dur, legte der Pianist viel Reife, sachte Farbtöne, packte aber auch energisch zu. Da wünscht man sich mehr, einen ganzen Klavierabend einmal, in der Hochschule vielleicht? Da könnte Herbert Schuch, wie bei seinen CD-Programmen, Schubert etwas modernes, vielleicht etwas ganz modernes, entgegensetzen… Aber soweit ist es noch nicht.

Die Meisterkonzerte bringen – da sind sie dem Moritzburg-Gedanken verbunden – häufig ungewohnte Stücke oder Formationen, Künstlergemeinschaften finden sich nicht selten, die Außergewöhnlichen Quintette boten viele Überraschungen. Die größte kam zum Schluß: mit einem Medley aus Elvis-Presley- und AC / DC-Stücken – auch das geht, wenn man es kann! Und nebenbei bekam Fagottist Marc Trénel damit seinen prominentesten Auftritt des abends.

30. Januar 2015, Wolfram Quellmalz

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