Melodischer Strom – 9. »Dresdner Abend« der Philharmonie

Während die ersten »Dresdner Abende« vor allem in Dresden entstandenen oder aufgeführten Werken galten, waren die letzten beiden Konzerte der Reihe auf die musizierenden Gästen zugeschnitten. Nach den Komponisten Wilhelm Friedemann Bach, Arnold Schönberg, Othmar Schoeck und Franz Schreker standen zuletzt Vadim Gluzman und am vergangenen Freitag Marek Janowski im Mittelpunkt und mit Paul Hindemith immerhin ein Werk des zwanzigsten Jahrhunderts auf dem Programm. Antonín Dvořáks Streicherserenade E-Dur und ein Quartett Beethovens, dieses allerdings in einer Bearbeitung, zudem die in dieser Saison häufigen guten Hindemith-Erfahrungen und der angekündigte Gast – da war ein vollbesetzter Saal zu erwarten.

Marek Janowski präsentierte sich gleich mit dem ersten Stück als detailversessen. Auf dem wogenden Streicherklang des Philharmonischen Kammerorchesters arbeitete er Motive und Passagen heraus, und wo diese versteckt sind und sonst überhört werden, konnte man die Serenade mit erfreulichem Zugewinn genießen. Melodisch strömend und mit pulsierenden Akzenten lebte die im Stück enthaltene böhmische Melodik auf. Zirpende Geigen verrieten Humor und verwiesen auf eine unbeschwerte Zeit bzw. eine glückliche Phase im Leben des Komponisten, zu der er dieses Werk schrieb.

Paul Hindemiths Doppelkonzert für Trompete, Fagott und Streichorchester entspringt vielleicht einem Impuls aus dem Leben an der Yale School of Music, denn die (Besetzungs-)Idee geht offenbar auf zwei Studenten, welche die ersten beiden Sätze auch 1949 zum Gründungsjubiläum spielten. Drei Jahre später hat Hindemith dann das Konzert fertiggestellt, und so – in drei Sätzen – wurde es auch am Freitag präsentiert. Daniel Bäz (Fagott) und Christian Höcherl (Trompete) übernahmen die Solistenparts des ungewöhnlichen Konzerts. An vielen Stellen entsteht ein Mischklang der beiden Soloinstrumente, der fremd und schwer zuzuordnen erscheint – zumindest das Fagott läßt sich nicht immer klar heraushören, wenn beide das gleiche spielen, manchmal trägt es zum grundierenden Klang für die Trompete bei. Es gibt aber viele spannende Wechsel der Motive, auch mit dem Orchester im Pizzicato. Hindemith hat mit diesen Gegensätzen ein reizvolles Werk geschaffen, und unter der Leitung Marek Janowskis vereinte das Philharmonische Kammerorchester das unvereinbare, fanden die beiden Solisten zu einem ausgewogenen, gleichatmenden Duett, in dem beide Bläser Motive des jeweils anderen übernahmen.

Und dann Beethoven, sein letztes Quartett op. 135 in einer Bearbeitung für Streichorchester – puh! Anfängliches Magengrummeln wischte Janowski mit einem Höchstmaß an Umsicht beiseite, sorgte für feine, feinsinnige Stimmen. »Soll ich oder soll ich nicht?« Scheint der erste Satz zu fragen und »Ja!« das Vivace zu antworten – trotzdem. Trotz allen schwärmerischen Charakters und feiner Artikulation der Streicher, ja, auch trotz der stimmigen Einbindung der Bässe kann sich dieses Werk nicht wirklich entfalten. Was wohlgemerkt nicht der Aufführung angekreidet werden soll, sondern der Bearbeitung, die dem Quartett die Intimität und Klarheit nimmt – so war auch das Publikum vom Schluß überrascht.

Melodisch ruhig und fließend verlief dieser Abend, da paßte Mahler als Zugabe. Und doch, ach, ein »Dresdner Abend« so ganz ohne ein sperriges Stück, ohne einen »Aufreger«? Das werden wir sicher am 22. April bekommen, mit Robert Volkmann, Ernst Toch und Sándor Veress. Nur hingehen müssen Sie!

7. Februar 2015, Wolfram Quellmalz

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