Elole-Klaviertrio zu Gast im Cosel-Palais

Gleich vier Werke der Neuen Musik hatten Uta-Maria Lempert (Violine), Matthias Lorenz (Violoncello) und Stefan Eder (Klavier) mitgebracht. Zwei davon waren sehr neu, Petr Bakla und Petr Cigler, dessen »Jagdtrio« hatten gar erst vor wenigen Tagen in Ostrava uraufgeführt worden war. Beide Komponisten wohnten dem Konzert auch bei. Das Programm vervollständigten Stücke der in Berlin lebenden japanischen Komponistin Makiko Nishikaze sowie des Sizilianers Salvatore Sciarrinos.

Obwohl jeder der vier Komponisten eigene Kompositionstechnik verfolgt und eine eigene Klangsprache gefunden hat, gab es doch Parallelen zwischen den Werken. So zeigten sich Petr Baklas »Dog Variations« (2013), Makiko Nishikazes »trio – stella« (2008) und Salvatore Sciarrinos »Trio«, von 1975 stammend sozusagen der »Klassiker« im Programm, formal und auch in der Anlage einteilig. Petr Bakla, meint selbst, daß sein Titel eigentlich auf den Großteil seiner Kompositionen passen würde. So wie Hunde schnüffeln, so komponiere er, erklärte der Text im Programmheft, betont dabei aber den Entstehungsprozeß. Hunde schnüffeln zu hören konnte man also nicht unbedingt erwarten. Was der Komponist eher meinte, ist das umkreisen von Punkten, musikalischen Tönen, Klängen, Akkorden. Erst durch eine Betonung werden sie zu musikalischem Material – oder eben zu einer Klangschicht im Hintergrund. Im wesentlichen besteht das Werk aus stetig wiederholten aufwärtsstrebenden Tonleitern, welche moduliert und variiert werden. Anders als in Ligetis »L’Escalier du Diable« gibt es jedoch keine wachsenden oder fallenden Höhenabstufungen, sondern eine (im wesentlichen) immer gleiche Tonleiter. Die Veränderungen geschehen durch Auslassungen, Schwebungen und das Spiel von laut und leise. In der Kombination aller drei Instrumente ergeben sich damit scheinbar unendlich viele Variationen mit zum Teil großen Verfremdungen – eine identische Wiederholung war nicht auszumachen.

Auch Makiko Nishikazes Trio schöpft aus vergleichsweise wenig thematischem Material. Das Werk ist vor allem durch eine große Ruhe, Gelassenheit und Langsamkeit gekennzeichnet, und hat mit seinen in einen Raumklang eingeschlossenen Stimmen einen meditativen Charakter. Hingegen schafft Salvatore Sciarrino mit seinem Trio einen großen Farbenreichtum und lehnt sich stärker als seine Kollegen an die klassische Musik an. So erinnert gleich der Beginn seines Werkes an Ravels Klangbilder, während das Klavier im weiteren Verlauf immer wieder um ein Motiv aus Chopins e-Moll-Konzert zu kreisen scheint. Allen drei Werken zu eigen ist eine große innere Spannung, alle drei beziehen auch die beiden Streichinstrumente stärker auseinander, während das Klavier Gegensätze formt (oder umgekehrt).

Mit dem »Jagdtrio« des Molekularchemikers, Hornisten und Komponisten Petr Cigler erfuhr der Abend dann eine szenische und klangliche Wendung, denn zu seinem Werk gehört neben Tierstimmenimitationen auch eine Inszenierung, ohne elektrisches Licht, aber mit Kerze. Als das Trio dann mit Rufen von Enten und Wildschweinen begann, sorgte das auch für Erheiterung im Publikum – wurde hier eine groteske Komposition durch kindliche Ehrlichkeit entlarvt oder (nicht ohne Selbstironie) die Vorführung auch vorgeführt?

Anders als die vorangegangenen Werke weist Ciglers Trio mehrere Teile bzw. Sätze auf. Die Verfremdungen gegenüber dem klassischen Trio sind bei ihm am größten (nicht zuletzt durch ein präpariertes Klavier), seine Bezüge dahin aber gleichzeitig am stärksten. Immer wieder treten in dem lautmalerischen Stück Jagdszenen hervor, Blätter- und Waldrauschen, eine zunehmende Hatz sind darin verborgen. Ob das doppelbödige Werk an seiner so stark von der Aufführung abhängenden Präsentation scheitern oder sich der musikalische Gehalt auf längere Sicht durchsetzen wird, muß sich hingegen noch zeigen.

Das Elole-Klaviertrio hat den vier Werken mit viel Kopf und Herz in seinem Konzert sicher wesentliche Impulse zum Fortbestehen gegeben. An Maß dürfte es nicht gemangelt haben, denn die charakteristischen Strukturen und Klänge der Komponisten wurden präzise herausgeformt, an klangschönen Auszierungen fehlte es ebensowenig wie an harschen oder dissonanten Einschüben. Wirklich störend war allerdings das lärmige Umfeld, denn vor bzw. unterhalb des Konzertsaales fand offenbar eine Party oder Tanzveranstaltung statt, was nicht nur Makiko Nishikazes Werk negativ beeinflußte. Alle vier Komponisten hatten wesentliche Klangbilder gerade durch den Bezug auf Pausen, Ruhe oder leise Passagen hergestellt. Am Ende sollte dieser fade Beigeschmack das Konzert aber nicht getrübt haben.

4. September 2015, Wolfram Quellmalz

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