Zum Geburtstag Mozart

  1. Dresdner Abend für Peter Schreier

Im September hatte Peter Schreier die Spendensammlung für die künftige Konzertsaalorgel der Philharmonie noch mit einem Konzert in der Kreuzkirche unterstützt, jetzt bedankte sich das Orchester mit einem Wunschkonzert zum 80. Geburtstag. Zum 12. Dresdner Abend stand diesmal kein Dresdner Komponist im Mittelpunkt, sondern der (naja, Meißner, also fast) Dresdner Kammersänger. Und dieser hatte sich ein Mozart-Programm gewünscht. Als Hauptwerke erklangen zwei in A-Dur, jener Tonart, die nach Marc-Antoine Charpentier freudig und ländlich, nach Johann Mattheson aggressiv und glänzend oder klagend und traurig klingt und nach Daniel Schubart für unschuldige Liebe, Gottvertrauen oder die Hoffnung auf ein Wiedersehen steht.

Für das Klavierkonzerte KV 414 hatte man sich der Dienste des schottischen Pianisten Steven Osborne versichert. Dieser ist hierzulande noch wenig bekannt, was sich aber bald ändern dürfte. Mit subtiler Anschlagstechnik und inniger Werkverbundenheit präsentierte er sich erstmalig dem Dresdner Publikum. Silbrig perlend – glänzend – faßte er Mozarts Ecksätze auf, die unter Peter Schreier größte Lebendigkeit erreichten. Pianist und Dirigent zeigten sich perfekt eingespielt, sowohl in harmonischer Hinsicht als auch im Tempo. Geschmeidig verbanden sich Klavier und Orchester, punktgenau, wie zum Ende der ersten Kadenz, wenn mit den Hörnern Pianist und Orchester wieder zusammenfinden. Ein sanglicher Höhepunkt war das Andante, das Osborne sanft aus dem Klavier streichelte, süße Melancholie bergend, doch führen Mozarts Aufwärtsgirlanden immer wieder zum Licht. Als Zugabe erklatschte sich das Publikum schließlich noch eine Bagatelle Beethovens.

Dirigent und Pianist zeigten sich als Verbündete, welche dem gleichen Duktus folgten. Peter Schreier ließ darüber hinaus das Philharmonische Kammerorchester in »seinen« Farben und erfreulich »uneilig« klingen. Kräftige, aber maßvolle Farben sind es, mit Vibrato angereichert und durch Akzente betont. Auf Filigranität setzte Peter Schreier weniger, aber auf Angemessensein und Ausdruck. Und so konnten sich Bläsersoli hervortun (herrlich, wie die Hörner durchschimmerten oder mit leichten Jagdmotiven belebten), waren aber auch die einzelnen Streicherstimmen wunderbar zu hören.

So auch in Mozarts Sinfonie KV 201, die sich anzuhören Steven Osborn nun im Publikum Platz genommen hatte. Tänzerisch und mit Leichtigkeit spielte das Philharmonische Kammerorchester, belebte geradezu fiebrig mit Bogenvibrato, um gleich darauf das Andante gedämpft wie hinter einem Seidenschleier erklingen zu lassen. Von dessen prächtiger Bläsercoda ging es durch Menuett und Trio in ein Feuerwerkfinale.

Begonnen hatte der Abend mit zwei geschmeidigen Ouvertüren, Mozarts und von dessen legitimen Nachfolger Mendelssohn: Schon im Divertimento KV 136 und der zehnten Streichersinfonie war optisch wie musikalisch ein Miteinander ersichtlich – das Dirigat diente der Verständigung. Peter Schreier und das Philharmonische Kammerorchester verabschiedeten sich mit einer (zuvor nicht geprobten) Zugabe, der Arie aus Johann Sebastian Bachs Orchestersuite D-Dur. Dafür gab es die Blumen diesmal von der Intendantin.

12. November 2015, Wolfram Quellmalz

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