Eine Auswahl der besten

Preisträgerkonzert von Jugend musiziert

»Jugend musiziert« gehört zu den wichtigsten frühen Zielen junger Musiker. Nach Altersklassen und Region kann nahezu jeder, der ein Instrument spielt oder singt, am Wettbewerb teilnehmen. Schon für den frühen Anfang ist die Struktur mit Regional-, Landes- und Bundesebene, mit Musiklehrern, Jurymitgliedern und Helfer enorm. Wer teilnimmt, erfährt eine frühe Orientierung und Einordnung. Und er kann sich mit den anderen vergleichen.

Am Dienstag trafen sich die erfolgreichsten Teilnehmer des Bundeswettbewerbs zum Preisträgerkonzert auf Schloß Albrechtsberg. Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, nahm den Anlaß im Kronensaal gerne wahr und freute sich, welche verbindende Kraft von Musik ausgehe, wieviel Menschen sie zusammenbrächte – davon könne man lernen.

Moderatorin Kristin Hendinger hatte es eine »Sternfahrt« genannt, wenn Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland und von Deutschen Schulen im Ausland an »Jugend musiziert« teilnehmen. Matthias Wiedemann faßte die Zahlen in seinem Grußwort konkret zusammen: 170 Regionen wurden in diesem Jahr erfaßt, 138 davon in Deutschland. Nach den Regionalwettbewerben in Sachsen trafen sich die besten Teilnehmer im Landeswettbewerb (Zwickau, März), im Mai kamen 1.823 jungen Musikerinnen und Musiker zum Bundeswettbewerb nach München und Regensburg. Wiedemann war nicht nur als Vorsitzender des Landesausschusses zum Preisträgerkonzert gekommen, sondern stand stellvertretend als Leiter einer der vielen Musikschulen, die neben großen Institutionen wie dem Sächsischen Landesgymnasiums für Musik und dem Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden den musikalischen Nachwuchs in Sachsen pflegen.

Insgesamt 21 Teilnehmer hatten beim Bundeswettbewerb erste Preise nach Sachsen geholt. Wie umfassend ihre Lerninhalte sind, bewies ein Blockflötenquartett am Anfang, denn Jakob Theodor Klingner, Malda Arabella Schade, Wito Kleine und Bernadette Wulke spielten nicht nur ein Grave aus dem Concerto TWV 40:202 von Georg Philipp Telemann, sondern ließen mit Agnes Dorwarths »Articulator V« gehörig die Fetzen fliegen: mit Sprechen, Schnalzen, Überblastönen, Singen und noch viel mehr forderte das Stück den jungen Spielern alle Finger- und Lippenfertigkeit ab – ein beeindruckender Beginn!

Hans Tröger spielte als Solist auf der Gitarre zunächst »Crazy race«, ein zeitgenössisches Stück von The RH Factor mit improvisatorischem Charakter, dem er einen Klassiker von Stevie Wonder anhängte (»Isn’t she lovely«). Lieselotte Jacob (Oboe), Louisa Magdalena Wilde (Klarinette) und Maya Brückner (Fagott) hatten sich ebenso ein modernes Stück ausgewählt und stellten mit der Aria und dem Ragtime aus den »5 Miniaturen für Holzbläser« von Libor Sima eine italienische und eine amerikanische Neufassung klassischer Attribute vor. Die Sicherheit, mit der hier gespielt wurde, unterstrich die Preiswürdigkeit noch!

Doch nicht immer ging es nur um Instrumente. Johanna Petter (Sopran) und Joshua Jakubik (Klavier) begaben sich mit drei Werken in die Gefilde von Lied und Oper. Claude Debussys »Fantoches«, einer Erzählung aus dem Reich der Commedia dell‘arte, folgte eines der selten zu hörenden Lieder Hans Pfitzners. »Bestimmung« (nach Ricarda Huchs »Was ist in deiner Seele«) hinterfragt die Liebe. Das Duo beließ es aber nicht dabei und fügte – womit sie Inhalt und Ausdrucksfarben noch weiter aufspannten – »Volta la terrea« (Oscars Auftrittsarie in Verdis »Un ballo in maschera«) an.

Es gab unter den Teilnehmern einige »Mehrfachtäter«, die entweder Instrumente spielten und sangen oder in verschiedenen Ensembles auftraten. Wito Kleine präsentierte gemeinsam mit Ronja Kliem, Luise Winkler, Emil Zedelius, Julia Ernst, Eleonore Ritter und Timur Zehrfeld Ernst Tochs »Fuge aus der Geographie«, ein Stück für sprechenden Chor, das am Dienstag noch genau so frisch, experimentell und witzig klang wie 1930!

Einen ganz besonderen Eindruck hinterließen Jolina Große (Violine) und Sophia Kratschkowskaja (Klavier). Sie hatten sich vom Komponisten Martin Torp gar ein Stück schreiben lassen, um beim Wettbewerb aufzutreten. »In Gefangenschaft« und »Auf dem Scheiterhaufen« aus »Tableaux musicaux« (Szenen aus dem Leben der Jeanne d‘Arc) gelangen ihnen zutiefst emotional und berührend!

Die sächsischen Preisträgerinnen und Preisträger des Bundeswettbewerbes »Jugend musiziert« mit der Staatsministerin Barbara Klepsch und Matthias Wiedemann, Vorsitzender des Landesauschusses,  vor Schloß Albrechtsberg, Photo: Jumu 2026, © Crispin Mokry

Werke des zwanzigsten Jahrhunderts blieben in der Überzahl, denn auch Augustin Johann Erices (Violine) und Gabriel Bruns (Violoncello) hatten so etwas ausgewählt: »Dhipli Zyia« von Iannis Xenakis, ein weiteres Werk, das für die neuere Musik begeistern konnte. Augustin Johann Erices hatte übrigens darüber hinaus mit Joshua Jakubik in Regensburg noch einen weiteren ersten Preis gewonnen (kein extra Beitrag am Dienstag).

Die Musik blieb im Heute verankert – in der Präsentation sowieso, in der Entstehung lag sie oft nicht fern, wie Kerry Turners »The casbah of Tetouan«, mit dem ein Hornquintett (Kyrill Förster, Benjamin Häßler, Arthur Morlack, Ole Johann Winkler und Alma Helene Dachselt) einen klangvollen Ausstand gab – noch einmal mit Extrainstrumenten die Tamburin und Glockenstab.

17. Juni 2026, Wolfram Quellmalz

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