Romantisches Schwelgen

Horntrio und Forellenquintett im Professorenkonzert

Mit Johannes Brahms‘ Horntrio und Franz Schuberts »Forellenquintett« hatten sich die Professoren zwei Kernstücke der Repertoires ausgesucht. Beide Stücke weichen in der Besetzung vom üblichen ab, weshalb sie auch nicht zum Standard der Trios oder Quintette gehören (können). Man muß sich für das jeweilige Werk treffen, einen Hornisten suchen oder eben das Klavierquartett um einen Kontrabassisten erweitern. Am Montagabend glückten diese Konstellationen im Konzertsaal der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden.

Anett Baumann (Violine) und Andreas Hecker (Klavier) hatten als Partner für Brahms Robert Langbein (Horn) gewonnen, für Schubert gesellten sich Anya Dambeck (Viola), Titus Maack (Violoncello) und Martin Knauer (Kontrabaß) hinzu. Naturgemäß ist das Horn in Brahms‘ Trio das durchdringendste Instrument, welches den Ruf in der freien Natur symbolisiert. Dem Trio gelang es jedoch, dies nicht als vordergründigen Effekt auszuspielen. Im Gegenteil erwiesen sich Anett Baumann und Andreas Hecker als anpassungsfähige Begleiter und Gestalter. So ließ sich im romantischen Gestus eine fröhliche Jagd (Scherzo) erkennen wie das wehmütige Beklagen der abwesenden Liebsten (Adagio mesto). Im Allegro con brio fanden die beiden dann offenbar im Sturm wieder zusammen.

Während bei Brahms vor allem eine der Musik innewohnende Naturatmosphäre spürbar war, fanden sich bei Schubert mannigfaltige Bezüge, feingliedrige Motive. Im wechselnden Reigen traten die fünf Spieler mit kleinen oder größeren Soli auf. Ein solistisches Vortreten und Verdrängen der anderen meinte Schubert aber nicht, sondern ein gegenseitiges Anregen, ein sich-zuwerfen von Motiven. Das Klavier bereitete perlend den Bach, in welchem die muntere Forelle springen konnte, auch die Violine wob an dieser Stimmung. Doch die tieferen Instrumente waren dem nicht untergeordnet, sei es nun, daß die Viola ein Thema begann oder sich mit dem Violoncello zu einem Duo vereinigte, welches das Klavier begleitete (Andante). Vom Reigen des Variationssatzes einmal ganz abgesehen, der jedes Instrument einmal das Lied der Forelle singen läßt.

Vielstimmiges Miteinander, dieser kammermusikalische Grundsatz erfüllte sich ausgewogen und – nicht nur zur Freude der anwesenden Musikschüler – mit großer Lebendigkeit.

25. Oktober 2016, Wolfram Quellmalz

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