Trotz Fehlerfreiheit farblos

Frieder Bernius dirigierte den Kammerchor Stuttgart und das Ensemble Inégal in der Annenkirche

In seinem dritten Jahrgang kam das Zelenka Festival Prag erstmals nach Dresden und war am Sonntag in der Annenkirche zu Gast. Dort spielten die Musiker des Ensembles Inégal zwei Werke Jan Dismas Zelenkas unter der Leitung von Frieder Bernius, der mit seinem Kammerchor Stuttgart angereist war. Während das Ensemble um seinen Leiter Adam Viktora gleichzeitig das Festival organisiert und maßgebliches Orchester ist, hat sich auch Frieder Bernius während seines Tätigseins als Dirigent und Chorleiter mit Jan Dismas Zelenka auseinandergesetzt. Davon zeugen nicht zuletzt Aufnahmen mit dem Stuttgarter Kammerchor, wovon nicht zuletzt die Einspielung der zum Konzertprogramm gehörenden Missa Dei Filii (ZWV 20, 1989) zeugt.

In der Annenkirche gab es in den letzten Jahren viel Zelenka zu hören, denn eine andere Brücke Prag – Dresden existiert dort schon seit 2008. Manche der Ensemblemusiker und der Solisten kannte man, Vergleiche stellten sich damit unwillkürlich ein.

Vor der Missa Dei Filii stand zunächst das Miserere c-Moll (ZWV 57) auf dem Programm. Schon hier fiel die große Ausgewogenheit des Chores auf, dem Frieder Bernius das Ensemble unterordnete. Getragen werden sollte das Werk also vom Gesang, während die Orchestermusiker diesen nur begleiteten – eine Alternative zur prachtvollen Ausgestaltung mit strahlenden Bläsern. Und dies beeindruckt durchaus, führt es doch die vierstimmige, kontrapunktische Behandlung des Textes vor. Der gesamte Text des Bußpsalmes 51 wird im Mittelteil von der Solistin gesungen, während der Anfangsvers einen Rahmen bildet, den der Chor vorträgt. Andrea Oberparleiter konnte mit klarem Sopran der Klage helle, hoffnungspendende Töne zufügen, während der Kammerchor vor allem Harmonie verströmen ließ.

Die etwas umfangreichere Missa erfordert ein Solistenquartett (Maria Bernius – Sopran, Adam Schilling – Altus, Tobias Mäthger – Tenor und Johannes Hull – Baß) , wobei hier vor allem Sopran und Baß beeindruckten. Gerade Maria Bernius bewies stimmliche Flexibilität und gleiche Ausdruckskraft über die ganze Tonskala, überzeugte aber vor allem mit einem lebendigen Vibrato, das dem Text Herzenswärme und Innigkeit verlieh. Diese vermißte man leider sonst, denn obwohl man keine Schwächen in der Besetzung ausmachen konnte, die Ausgewogenheit sich auch auf Musiker und Solisten erstreckte, fehlte doch die innere Berührung, vermittelte sich kein Ergriffensein. Der Chor überhöhte in Zelenkas Missa manche Spitzentöne etwas grell, was gerade deshalb auffiel, weil der Dirigent sonst auf (Über-)Betonungen, etwa von Dissonanzen, verzichtete.

Frieder Bernius wahrte Maß und legte Wert auf Originalität und Korrektheit, es schien jedoch, als fehle es den Musikern an Inspiration und innerer Anteilnahme. So blieben nach einer Stunde Musik manche Erwartungen enttäuscht.

24. Oktober 2016, Wolfram Quellmalz

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