Stipendiatenkonzert im Rahmen der Tschechisch-Deutschen Kulturtage

Symphonisches traf klassische Konzerte

Am Donnerstag begannen die Tschechisch-Deutschen Kulturtage, zu deren Vorabend am Ende des »Prologes« (seit September) ein Konzert mit der Nordböhmischen Philharmonie Teplice stattfand. Seit 2011 ist sie Partner der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und kommt für dieses Konzert als Gast in den Konzertsaal der Musikhochschule. (Eine Wiederholung gab es einen Tag später im Dům kultury Teplice.)

Wie immer in solchen Kooperationskonzerten traten Solisten und Dirigenten aus den Reihen der Hochschulstudenten auf. Die Zusammenarbeit mit der Brücke/Most-Stiftung besteht seit fünfzehn Jahren, zu den von ihr geförderten Stipendiaten zählten zwei der Solisten an diesem Abend: Kristýna Landová und Anežka Ferencová.

Zu Beginn entfachte jedoch Dirigent Rafael Sanchez Zdenek Fibichs Symphonische Dichtung op. 46 »Der Sturm«, eine Suite bzw. (laut Werkkatalog) ein »Potpourri« von 1895 zu der ein Jahr früher entstandenen gleichnamigen Oper. Der Begriff der Symphonischen Dichtung erwies sich als berechtigt, denn das Werk folgt weniger einer Kette von Sätzen oder Motiven als musikalisch gezeichneten Episoden, welche eng verwoben sind. Wogendes Wasser und peitschender Sturm wurden ohne Windmaschine, aber mit Glöckchen, Harfe und Schlagwerk intoniert. Dennoch fehlte es manchmal an Zusammenhalt, konnte Rafael Sanchez den inneren Spannungsbogen noch nicht aufbauen.

Auf den Böhmen Fibich folgte Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Flöte und Harfe KV 299 (Dirigent: Alexandre Balzamo). Es lebte vor allem von den beiden Solisten Kristýna Landová (Flöte) und Markus Thalheimer (Harfe, als Gast), die im dritten Satz auch einmal mit der Oboe zum Trio verschmolzen. Kristýna Landová beeindruckte mit einem klaren, sauberen Ton und weichem Ansatz. Die Stipendiatin war schon in vielen Konzerten der Flötenklasse (Prof. Stéphane Rety) oder der Brücke/Most-Stiftung zu erleben– auch das zeugt von der Stiftungsarbeit. Schön, daß beide Solisten mit Jacques Iberts »Entr’acte« (im Original für Gitarre und Flöte) noch eine Zugabe vorbereitet hatten.

Mannheim ist (nicht nur musikalisch) ein wichtiger Ort für Wolfgang Amadeus Mozart gewesen. Carl Stamitz wurde dort geboren und war Mitglied der Mannheimer Hofkapelle. Sein Violakonzert Opus 1 spielte Anežka Ferencová nach der Pause. Stamitz hat eine sehr virtuose, beinahe »sportive« Solostimme geschrieben, Anežka Ferencová konnte dieser jedoch mühelos folgen und ließ den besonderen Stimmcharakter ihres Instrumentes wohltuend erklingen. Shinae Lee gab mit einem energischen, ziel- und werkbewußten Dirigat dafür die Grundlage.

Neben ihr überzeugte auch Thomas Cadenbach in Antonín Dvořáks Konzertouvertüre »Othello«. Die nun wieder in ganzer Stärke, mit allen Bläsern und viel Schlagwerk besetzte Philharmonie ließ unter seiner Leitung die Spannung und den Farbenreichtum einer weiteren Symphonischen Dichtung erblühen.

27. Oktober 2016, Wolfram Quellmalz

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s