Duell ohne Sekundanten

Saison der »Meisterkonzerte« endet auf Schloß Albrechtsberg – warten auf das Moritzburg Festival

Für den Abschluß der Kammermusikreihe auf Schloß Albrechtsberg hatte Intendant Jan Vogler zwei Cello-Kollegen eingeladen: Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt. Beides übrigens Schüler von David Geringas, der vor gut zwei Monaten in derselben Reihe zu Gast gewesen ist. Vor 26 Jahren waren die beiden Kommilitonen und musizierten gemeinsam in einem Meisterkurs, eine Partnerschaft, die bis heute erhalten blieb.

»Cello Duello« nennen sich Maintz und Schmidt, und diesen Namen kann man durchaus als Programm sehen, denn über weite Strecken traten beide als Duellanten auf, allerdings als sportliche und ohne jede erbitterter Konsequenz. Duette für zwei Celli gibt es wenige, insofern waren am Donnerstagabend im Kronensaal des Schlosses einige Bearbeitungen zu hören.

Fürst Esterházy liebte die Musik, den Gesang und Instrumente, auch ungewöhnliche. Joseph Haydn, sein Hofkomponist, schrieb ihm dafür unter anderem Lyrakonzerte sowie unzählige Trios für Baryton, ein Streich- und Zupfinstrument. Ein Duett in D-Dur als Bearbeitung offenbarte unter den Fingern und Bögen der beiden Cellisten zunächst, daß der Begriff »Duett« hier vollkommen zutreffend als Duett zweier Singstimmen verstanden werden kann, zweier dunkler, reicher Stimmen, weniger gaumig als ein Baryton, mit der Fähigkeit zur Aufhellung. Das charmante Minuetto ließ in der Stimmung eine »Aufforderung zum Tanz« andeuten, während die Variationen ein »Grüß Dich tausendmal« einschlossen. Im Presto traten Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt in spiegelbildlichen Kadenzen stärker als »Duellanten« hervor.

Mit einer Toccata des zeitgenössischen Komponisten Søren Nils Eichberg und einer Caprice Adrien-François Servais setzten die beiden Protagonisten ihr Duell dann fort. Technisch raffiniert schufen sie Sphären, ließen Eichbergs Impulse in den Raum blitzen, spielten aber auch mimisch miteinander (Komödie). Ein wenig wie »Die zwölf Cellisten«, ohne daß es wie ein Sechstel derer klang. Energiegeladen und zunehmend laut wurde das Spiel der beiden, reich an Vibrato und Ausdruck – so dick aufgetragene Farbe wirkt aber auch massig und erdrückend.

Da war David Poppers Suite nach der Pause mit dem einleitenden Andante eine Erholung. Hier nun konnten sich nicht nur die Singstimmen, sondern Melodie und Begleitung der beiden Instrumente vielschichtig vereinen, Maintz und Schmidt fanden zu einem glühenden, schwärmerischen Ton. Geistvoll und anregend war die Gavotte gestaltet, doch leider schon wieder allzu kräftig. An Melodie, Struktur und Abwechslung bot David Popper – für Cellofreunde ein Muß – neben Haydn dennoch am meisten.

Melodisch gehaltvoll, capriciös und von größter technischer Raffinesse, war schließlich Niccolò Paganinis »Moses-Phantasie« auch in der Bearbeitung für zwei Celli höchst beeindruckend. Dabei kamen sich die beiden Solisten nicht in die Quere, behielten ihre Balance, ohne zu verhaken. Aufeinander achten gehört selbst nach langjähriger Partnerschaft noch dazu. Wie im Rausch, aber auch heftig und überbordend endete der Abend nicht ohne zwei vom begeisterten Publikum nachdrücklich geforderten Zugaben.

5. Mai 2017, Wolfram Quellmalz

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