Konzertreise auf Schloß Albrechtsberg

Wiedererschließung eines Konzertsaales

Seit 2009 hat die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden einen eigenen Konzertsaal. Damals liefen auch die Verträge mit dem Träger des Schlosses Albrechtsberg aus. Nun wurden sie aber neu verhandelt, seit Sonntag gibt es wieder eine Konzertreihe der Musikhochschule im Kronsaal.

Ganz ohne politisches Wegweiser kommt man heute wohl nicht aus (oder meint man, nicht auskommen zu können), und so stand das Konzert unter dem Motto des Studienjahres »Der Wanderer« begaben sich neun Studenten auf eine von Prorektor Florian Uhlig moderierte Konzertreise.

So oder so war das Angebot am Sonntagnachmittag offenbar verlockend, denn es folgten viele interessierte Zuhörer dem Ruf in den Konzertsaal. Was hier geboten wurde, war ein Einblick und Ausschnitt dessen, was an der Musikhochschule geleistet wird: Emanuel Roch besucht noch das Sächsische Landesgymnasium für Musik, gleichzeitig aber auch die Pianistenklasse von Florian Uhlig. Der Jungstudent hatte Franz Schuberts »Der Wanderer« in der Bearbeitung durch Franz Liszt auf dem Pult liegen.

Die Reise durchs Studium ist lang und die Ankunft am Ziel nicht garantiert. Der Weg zum Solisten, freien Musiker oder festengagierten Orchestermitglied ist steinig und hart. Hyunjee Chun hatte eben beim Internationalen Szymon Goldberg Musikwettbewerb einen zweiten Preis errungen, mit Niccolò Paganinis Caprice Opus 1 Nr. 24 gab sie einen kleinen Einblick in ihr Schaffen. Auch Marianna Storozhenko hat bereits viele Preise und Konzertauftritte hinter sich gebracht. Die Pianistin ließ noch einmal Franz Liszt erklingen: Venezia e Napoli – passend zum Motto aus den »Année de pèlerinage« (Wanderjahre).

Sein Instrument beherrschen genügt nicht – wer spielt schon gern allein? Die Bedeutung des Zusammenspiels wurde vor allem in zwei Beiträgen nach der Pause deutlich: Baß Jussi Juola wurde von der Pianistin Eunhye Kang in sieben Lieder aus Schuberts »Winterreise« begleitet. Der Sänger – Hochschulfreunden längst durch seine Auftritte in Bachkantaten bekannt – offenbarte seine formidable Basis für den Liedgesang. Angenehm hell trotz seiner besonders tiefen Stimmlage und mit ausgezeichneter Artikulation dürfte er sich auf gutem Wege befinden, die ganze »Reise« zu erarbeiten. Und auch Beethovens »Gassenhauer-Trio« mit dem Memoria Trio (Hyungil Kim / Klarinette, Yoosin Park / Violoncello und Jaehan Lim / Klavier) bewies ein gegenseitiges Einfühlungsvermögen. Vor allem im Allegretto verbanden die drei keck die virulente Lebhaftigkeit mit funkelndem Klang.

Den »sonnigsten« Beitrag lieferte jedoch Akim Korkin ab: er spielte die Ecksätze aus Gaspar Cassados Suite per Violoncello mit Verve und eroberte den Klangraum mit dem sonoren Bariton seines Instruments. Aufmerksame Zuhörer konnten seine Fingerfertigkeit bewundern – entweder, wenn sie weit genug vorn saßen, oder wenn sie zuhörten, wie er virtuos über die Melodiesaiten stob, während der Baß beruhigt nachschwang. Solche Stücke hört man selten im Konzert der großen Veranstalter, schon allein deshalb sei hier auch die »Podien« verwiesen, in denen sich die Studenten der Hochschulklassen vorstellen.

8. Mai 2017, Wolfram Quellmalz

Zum Konzertkalender der Hochschule: https://www.hfmdd.de/veranstaltungen/

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