Benefizkonzert im Lingnerschloß

Klavierabend mit Klängen der Natur

Das Lingnerschloß wird seit Jahren nach und nach saniert. Die Freitagsreihe »Kleinkunst mit Panoramablick« muß derzeit (meist) noch ohne den letzteren auskommen, denn die Fenster des Veranstaltungssaales weisen zur Parkseite hin, während das Panorama gegenüber liegt – der Festsaal ist noch Zukunftsobjekt.

Am vergangenen Freitag spielte E-Hyun Hüttermann in einem Benefizkonzert für das Lingnerschloß und hatte mit ihrem dem Thema »Natur« zugeordneten Programm einen Jahreszyklus aufgespannt, an dessen Beginn Christian Sindings »Frühlingsrauschen« stand, der mit Schubert und Beethoven aber auch sommerliche Gestade berührte und schließlich mit Mozarts Variationen »Ah, vous dirai-je Maman« scheinbar im Winter anlangte – die Melodie ist bei uns mit dem Text »Morgen kommt der Weihnachtsmann« bekannt, hat im Original (»Ach, Mama, ich werde Ihnen sagen«) durchaus keinen Winterbezug – so zwanghaft war der programmatische Jahresverlauf denn doch nicht gedacht.

Die meisten der Stücke waren verhältnismäßig kurz und bekannt, einzig zwei kleine Ausnahmen gab es: Louis Claude Daquins »Le Coucou« und zwei »Sketches« Amy Marcy Beaches brachen aus dem Schema aus.

E-Hyun Hüttermann nahm sich der Werke mit äußerst beherztem Zugriff an, oft überreichlich stürmischen – oder lag es an dem ungewohnten Blüthner-Flügel? Bereits bei Sindings Walzer fiel, trotz einer singenden Melodieführung, ihr harter Anschlag auf, der einer thematisch bedachten oder sanften Entwicklung im Wege stand. Gerade Frédéric Chopins »Regentropfenprélude« und Robert Schumanns »Waldszenen« ließen eine solche Entfaltung vermissen. Die »Verrufene Stelle« (Schumann) etwa erschien düster, entbehrte aber des Geheimnisvollen, und auch das Finale der »Mondscheinsonate« war von einem übermäßigen Temperament beherrscht.

Franz Liszt hat dagegen mit seinen Bearbeitungen von Liedern Franz Schuberts denselben einiges an Opulenz zugesetzt, was bei Schubert (und dessen Textvorlagen) noch nicht zwangsläufig vorhanden war. Diese überbordenden Farbenpracht zu entfachen (»Auf dem Wasser zu singen« und »Die Forelle«) war der jungen Pianistin ein leichtes.

Auch Stimmungsbilder gelangen E-Hyun Hüttermann immer wieder, so eine träumerische Barcarole Peter Tschaikowskis (der »Juli« aus den »Jahreszeiten«) sowie die zwei »Sketches« von Amy Beach. Daquins »Kuckuck« führte mit einem äußerst perkussivem Klangbild, das die Pianistin nicht verschwimmen ließ. in die Zeit weit vor den anderen Stücken, als noch das Cembalo ohne Pedale den Ton angab.

Mit Mozarts Variationen schlossen der Abend, den die Pianistin selbst moderiert hatte, und der Jahreszyklus. Mit der Zugabe erinnerte E-Hyun Hüttermann daran, daß sich derlei Kreisläufe wiederholen, von vorn beginnen: mit Johann Strauß »Frühlingsstimmenwalzer« kehrte sie noch einmal an den thematischen Ausgangspunkt zurück.

15. Juli 2017, Wolfram Quellmalz

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