Orientalische Klänge auf dem Weinberg

Konzert in der Hoflößnitz bei »angemessenen« Temperaturen

Namen wie »Longa Riad«, »Tsche Mali Wali« oder »Djorjina« scheinen für unsere Ohren so fremd wie die Musik, die sich dahinter verbirgt – zunächst. Ebenso die Instrumente: Djoze (eine arabische Kniegeige) und Oud (eine arabische Laute) sehen anders aus und klingen auch nicht wie unsere Instrumente, aber ähnlich, denn: in ihnen liegt ein Teil unserer musikalischen Wurzeln. Einige Instrumente, die wir in aus Sinfonieorchestern kennen, haben arabische oder orientalische Vorfahren – man denke nur an den nasalen Klang einiger Holzbläser. Vor vielen Jahrhunderten kamen Oud und Djoze zu uns, bekamen unterwegs (in der Türkei, in Griechenland…) andere Namen, änderten ihre Form, später entwickelten sich manche europäische Instrumente daraus.

Die arabische Musik ist – wie die Literatur – stark vom Reisen und Weitersagen geprägt:

Ein Fremder gedachte vergangener Zeiten,
Im Herzen ein Feuer von Ghadaholzscheiten:

Hat Gott mir das Schicksal der Fremde bestimmt,
So geh‘ ich, wohin die Geschicke mich leiten.*

Auch Obeid Alyousef (Oud) und Bassem Hawar (Djoze) sind gereist oder vor dem Krieg geflohen und nach Dresden gekommen. Gemeinsam mit Thomas Friedlaender bilden sie das »Trio TACHT« und »erzählen« ihre Musik weiter. So geschieht es teilweise seit Jahrhunderten, denn anders als in Europa, wo die Stücke schon früh ausnotiert und in einer Schrift festgehalten waren, wird die traditionelle arabisch-orientalische Musik vom Lehrer an den Schüler weitergegeben.

Grundlegend sind dabei Rhythmen, oftmals mit (für unsere Gewohnheit) wechselnden Betonungen, ungeradzahliger Taktung etc. Die grundlegende Melodie wird dabei oft variiert und improvisiert, so daß jeder Spieler (Schüler) dem von seinem Lehrer übernommenen Material etwas hinzufügt oder es verändert.

Es ist eine faszinierende Welt, die sich am Sonntagnachmittag den Zuhörern in der Hoflößnitz erschloß und sie anregte. Obeid Alyousef und Bassem Hawar wechselten sich nicht nur in Soli ab, sondern übernahmen gleichermaßen Melodie- wie Rhythmusanteile. Dieses für die arabisch-orientalische Musik typische Charakteristikum macht selbst vor dem Perkussionisten nicht halt. Thomas Friedlaender, der der »Fremde« in diesem Trio ist und sich freut, von seinen Kollegen integriert zu werden, spielte Riq und das größere Daf, doch werden auch diese Instrumente nicht nur geschlagen. Streicht man zum Beispiel über das Ziegenfell der Bespannung, werden verschliffene Töne erzeugt. Gerade diese, Glissandi, schwebende Übergänge und Vierteltöne, machen das ebenso exotische wie lebendige der Musik aus.

Obeid Alyousef und Bassem Hawar wichen auch einmal vom Konzertprogramm ab und streuten Soloimprovisationen ein. Aber abendländische und morgenländische Musik können nah zusammenfinden. Von Jamil Bachir, einem der bekanntesten Musiker Arabiens, stammte nicht nur das Zugaben-Stück, er war selbst Sänger und Spieler sowohl der Oud wie der Violine.

* gefunden in: Claudia Ott »101 Nacht«, aus einer arabischen Handschrift des Aga Khan Museums (Manesse)

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