Berührendes Requiem

Sächsisches Vocalensemble mit Mozart in der Dresdner Annenkirche

Den November verbinden viele Menschen nicht allein oberflächlich mit grauer Tristesse, sondern sehen darin den Beginn des Winters oder einen Monat, der im Gedenken an Menschen steht, die gegangen, uns verloren sind. Insofern gehören Aufführungen von Messen und Requien nun wieder in den Konzertkalender. Und das nicht pro forma, es bewegt die Menschen tatsächlich. Die Namen »Wolfgang Amadé Mozart«, »Sächsisches Vocalensemble« und »Batzdorfer Hofkapelle« sind darüber hinaus Garanten für Qualität, und so strömten wieder viele am Buß- und Bettag in die Annenkirche, deren Plätze sich bis zur oberen Empore füllten.

Zur Aufführung kam das Requiem KV 626 in einer besonderen Fassung, die jedoch ganz musikalisch begründet war und nicht der Auffälligkeit diente. Basis war das von Mozart nicht abgeschlossene und durch Franz Xaver Süßmayr vervollständigte Werk, jedoch mit dem Dies Irae Joseph Eyblers (ebenfalls ein Mozartschüler) sowie dem zusätzlich ergänzten Libera me (Erlöse mich) von Ignaz Ritter von Seyfried im Anschluß an das Communio.

Andächtig geriet bereits der Introitus, von dunklen Streichern und Fagott intoniert, zu dem das Vocalensemble mit goldenen Bässen die »Ewige Ruhe« beschwor. Es sollte die Aufführung prägen, mit einem warmen, homogenen Gesamtklang, aber auch immer wieder mit angenehm hervortretenden Stimmgruppen. Immer wieder entsprach der Gesang des Chores einer Erfüllung, zudem band Leiter Matthias Jung die Teile schlüssig, so daß das Kyrie den Introitus zu bestätigen schien. Die Solisten Barbara Christina Steude (Sopran), Marlen Herzog (Alt), Stephan Scherpe (Tenor) und Tobias Berndt (Baß) waren nicht immer derart ausgewogen wie das Vocalensemble. Gerade die helleren Stimmen klangen manchmal unsicher und etwas scharf (Sopran) oder hatten nicht das gleiche Volumen (Tenor). Marlen Herzog fiel vor allem in der ersten Hälfte mit Geschmeidigkeit auf, während Tobias Berndt volltönend kernig auch im Quartett klar herauszuhören war, ohne unangenehm dominierend zu wirken. Stephan Scherpes lyrischer Tenor vermittelte eine große Einfühlsamkeit.

Überhaupt hatte es Matthias Jung wohl nicht zuletzt auf die Wirksamkeit abgesehen, worin ihn das Alte-Musik-Ensemble Batzdorfer Hofkapelle mit seinem Instrumentarium unterstützte. Mancher Paukenschlag oder Trompetenton klingt hier eben markanter als im modernen Sinfonieorchester. Zunächst sorgte noch manche Unreinheit der Blechbläser für zusätzliche Schärfe, doch glättete sich das im Verlauf bis zu einem volltönenden Posaunenchor.

So wurden manche Passagen, wie das grelle Feuer des Dies Irae geradezu illustriert, aber immer wieder setzten sich Trauer und Hoffnung durch wie im anrührenden Confutatis maledictis des Chores, manche Betonung, wie im inbrünstigen Sanctus, war vielleicht etwas stark.

Hoffnungsfroh und aus der Stille schöpfte Matthias Jung als angehängtes »Nachwort« Mozarts »Ave verum corpus«, aber auch mit Kraft, Ausgeglichenheit und Zuversicht.

22. November 2018, Wolfram Quellmalz

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