»Le pauvre matelot« & »Gianni Schicchi«

Diesjährige Produktion der Dresdner Opernklasse

Noch dreimal können Besucher die beiden Opern von Darius Milhauds und Giacomo Puccini im Kleinen Haus des Dresdner Staatsschauspieles erleben. Puccinis »Gianni Schicchi«, sonst gerne mit dem »Bajazzo« (Ruggero Leoncavallo) kombiniert, hat Barbara Beyer, die Leiterin der Opernklasse an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, einmal etwas anderes »an die Seite« gestellt: Darius Milhauds »Le pauvre matelot« (Der arme Matrose). So schwarz-weiß wie das Programmheft ist der Kontrast beider Stücke: es geht um Tricks. Nur gehen die manchmal anders aus, als der »Anwender« gedacht hat, und enden im Falle des »Matrosen« sogar tödlich.

DIE STÜCKE

Binnen weniger Tage hat der Komponist von »Le pauvre matelot« aus einem Text Jean Cocteaus eine dreiaktige Oper erarbeitet: eine Frau wartet seit Jahren auf ihren verschollenen Mann. Sie wartet, will keine neue Liaison eingehen und wäre schließlich sogar bereit, für den sehnsüchtig Erwarteten, für das gemeinsame »Glück«, zu morden. Als sie einen reichen Matrosen trifft, bringt sie ihn um, um an sein Geld zu kommen – doch es war ihr Mann, der nach Jahren zurückkehrte und den sie nicht erkannte. Mit einem »Trick« wollte er ihre Treue prüfen.

Gianni Schicchi wiederum wird zu einer reichen Familie gerufen, deren Patriarch eben verstorben ist. Die Hinterbliebenen wollen nun noch schnell die Erbschaft nach ihrem »Geschmack« regeln. Gianni Schicchi, ein Nachbar, soll dafür die Rolle des Patrons spielen und das neue Testament unterzeichnen. So weit, so gut, nur: Gianni Schicchi vermacht einen wesentlichen Teil des Erbes sich selbst!

INSZENIERUNG UND AUFFÜHRUNG

Die Koproduktion von Musikhochschule, Hochschule für Bildende Künste, Sächsischer Staatsoper und Staatsschauspiel Dresden konzentriert sich auf den jeweils engen Handlungsspielraum (Bühne / Kostüme: Philipp Eckle). Ein paar Fassadenteile – ein maurisches Haus vielleicht (Matelot), eine Zimmerwand mit zwei Türen (Schicchi) – schaffen den Hintergrund für zwei Kammerstücke, die szenisch konzentriert Tragik offenbaren und Komik (Schicchi) beweisen. Die Akteure erweisen sich nicht nur stimmlich sicher, agieren im Spiel lebendig und füllen die Charaktere glaubhaft aus. Und daß gerade Puccinis Stück auch den Aufführenden großen Spaß macht, nimmt man ihnen gerne ab!

Das Hochschulsinfonieorchester unter der Leitung von Georg Christoph Sandmann entfacht nicht nur die jeweilige Stimmung, es belebt darüber hinaus die Szenerie farbenfroh. Für Neugierige ist vielleicht die selten gespielte Milhaud-Oper der größere Reiz, doch so oder so – ein Abend, der Vergnügen bereitet und die Erwartungen erfüllt.

29. Mai 2019, Wolfram Quellmalz

»Le pauvre matelot« von Darius Milhaud und Giacomo Puccinis »Gianni Schicchi« gibt es noch am 30. Mai sowie am 5. und 7. Juni jeweils 19:30 Uhr am Sächsischen Staatsschauspiel / Kleines Haus

Eine ausführliche Rezension lesen Sie in Heft 33 (Juli).

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