Und die Liebe schreitet fort …

Neue CD von Heidi Maria Taubert

Die Sopranistin Heidi Maria Taubert gehört seit einigen Jahren zum Dresdner Musikleben. Im Advent wirkt sie unter anderem in Adventsvespers in Meißen und Dresden mit. Nun ist ihre neue CD bei der renommierten Plattenfirma Genuin erschienen. Darauf vereinigen Heidi Maria Taubert und Ercole Nisini »Passacaglie d‘amore« – Musik, die von der Liebe erzählt, von ihrem Fortschreiten bis zum Ende (wie auch immer dieses aussehen mag).

Die meisten Stücke stammen aus der Feder italienischer oder deutscher Komponisten des 17. Jahrhunderts. Aber nicht nur, denn auch Henry Purcells »Musick for a while« ist unter den Titeln zu finden und setzt einen von mehreren Kontrapunkten im Programm, denn Purcell hält zwischen all den voranschreitenden Passacaglien die Zuhörer einmal zum Verweilen an. Neben Venedig, Mailand und London gehören weiterhin Weißenfels (Johann Philipp Krieger »Einsamkeit, du Qual der Hertzen«) und Breslau (Johann Heermann »Was willst du dich betrüben«, Bearbeitung von Ercole Nisini) zu den Entstehungsorten der Werke. Dresden ist nicht mit historischen Stücken vertreten, sondern – noch ein Kontrapunkt – mit solchen von heute, die Heidi Maria Taubert und Ercole Nisini selbst beigesteuert haben (für Heidi Maria Taubert übrigens eine Premiere).

Ercole Nisini, der das Ensemble Instrumenta Musica gegründet hat und leitet, dirigiert übrigens die Stücke nicht wirklich von der Posaune, wie er in einem Radiointerview erzählte. Vielmehr stehe das gemeinsame Musizieren und Interpretieren im Mittelpunkt, zudem sei die Instrumenta Musica auch nicht so groß, so daß er sich eher in der Position eines Primus inter pares sehe.

Die modernen Stücke fügen sich zu den historischen Werken, ohne krasse Gegensätze darzustellen. Ihnen liegen Motive und Texte aus der Zeit der anderen Komponisten zugrunde – sie sind also »aus der Zeit« gedacht. Und so sind es weniger Kontraste, welche die Aufnahme beleben, sondern das Gefüge von Stetigkeit und Wandel. Wesentlichen Anteil hat der Baß oder ground, wie man in der Alten Musik auch sagt. Er sorgt für die Festigkeit des Fundaments, aber ebenso für den Rhythmus, die Beweglichkeit, aus der schließlich der Wandel folgt.

Neben bekannten, ja berühmten Stücken wie jenen Purcells oder Kriegers, gehören auch unbekanntere Werke zum Programm. Sie sind der Arbeit und Suche der vergangenen Jahre entsprungen. So haben die Musiker in Konzerten bereits entsprechende Programme präsentiert, etwa mit Werken der Barockkomponistin Barbara Strozzi. Und manchmal gibt es gar keinen überlieferten Namen – eine der berühmtesten Passacaglien des 17. Jahrhunderts, »Homo fugit velut umbra«, ist in Mailand 1657 datiert. Komponist: »Anonymus«. Die Stimmen sind – von der Sopranistin bis zum Ensemble – sämtlich einfach besetzt. Das verleiht der Aufnahme eine große Klarheit, aber auch jene Intimität, die man eigentlich erwartet, wenn es um d’amore geht. Die Singstimme von Heidi Maria Taubert kann sich mühelos über die Begleiter erheben – die Violine von Amrai Große oder Ercole Nisinis Posaune stehen ihr nicht nach. Für Kontur, einen kräftigen Baß und – wenn es paßt – gerne einmal Affekt sorgt Peter Kuhnsch mit verschiedenen perkussiven Instrumenten. Für Abwechslung sorgen rein instrumentale Stücke, die zwischen den glühenden Liebesworten für Beruhigung sorgen, wie Girolamo Frescobaldis Partite sopra la Monica (Cembalo: Zita Mikijanska), oder die Glut anfachen, wie die einleitende Ciaccona Andrea Falconieris. So klingt die CD auch mit einer Ciaccona von Ercole Nisini und den Worten »Gib Frieden« in der Fassung Heidi Maria Taubert eher ruhig aus.

November 2020, Wolfram Quellmalz

Heidi Maria Taubert, Instrumenta Musica, Ercole Nisini (Leitung) »Passacaglie d‘amore«, Musik und Tänze der Liebe aus dem Italien und Deutschland des 17. Jahrhunderts, erschienen bei Genuin

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