Heinrich Schütz Musikfest eröffnet

Hamburger Ratsmusik seit Freitag in Mitteldeutschland unterwegs

Am Freitag schon war die Eröffnung des diesjährigen Heinrich Schütz Musikfestes. Die Hamburger Ratsmusik, in diesem Jahr als artist in residence an vielen Orten und mit wechselnden Programmen zu erleben, besuchte dafür die Marienkirche Gera und sorgte für eine so festliche wie stimmungsvolle Eröffnung. Dabei überraschte zunächst (vielleicht), daß hier einmal keine Trompeten und Schalmeien den Festglanz einläuteten. Im Gegenteil war es ein Programm mit vor allem vielen Adagios und einigen Sarabanden. Formal zumindest also zurückhaltende Gediegenheit – oder?

Ensemble Hamburger Ratsmusik mit Cornelia Samuelis (Sopran) und Klaus Mertens (Baß) in der Marienkirche Gera, Photo: Heinrich Schütz Musikfest, © Mathias Marx

Natürlich war es viel mehr, gediegen aber in jedem Fall, denn die Hamburger Ratsmusik, in der zweiten Violine (Iris Maron) kurzfristig umbesetzt, weiß sich über die Gefälligkeit hinaus in verschiedenen Abstimmungen und Besetzungen zu finden. Und das half mehrfach an diesem Abend, die zuvor kaum gehörten Werke zu entdecken. Dietrich Beckers wunderbare Sonata à 4 a-Moll begann das Konzert mit einem betörend schönen Lamento-Adagio, das keine Wehmut aufkommen ließ. Solche Schätze, auch von Johann Schop, hoben Simone Eckert (Viola da gamba und Leitung), Christoph Heidemann (Violine) und ihre Kollegen gleich mehrfach. Weg- und Reisegefährten Heinrich Schütz‘ steuerten die Musik bei, natürlich Meister Schütz selbst (»Der Herr schauet vom Himmel«, SWV 292, und »Wann unsere Augen schlafen ein«, SWV 316).

Instrumental einzigartig ließ die Hamburger Ratsmusik hier (Beckers später folgende Sonata à 2 D-Dur) wie da (im Basso continuo bei Schütz!) Passacaglia-Rhythmen mit Feinheit aufblitzen und formierte sich nach Werk und Bedarf stetig neu.

Continuo- und Gambengruppe der Ensemble Hamburger Ratsmusik in der Marienkirche Gera, Photo: Heinrich Schütz Musikfest, © Mathias Marx

Für Cornelia Samuelis (Sopran) und den souveränen Klaus Mertens (Baß) genügte zur Liedbegleitung auch die schlichteste Form mit Laute (Ulrich Wedemeier) und Orgel (Anke Dennert). Während Klaus Mertens gewohnt mit bester Verständlichkeit und angemessen timbriert seine Texte präsentierte, schien Cornelia Samuelis gerade anfangs – zumindest für die Größe der Kirche – zu stark zu forcieren, was je nach Sitzplatz dominant wirken konnte (Geistliches Comcert »Allein zu dir, Herr Jesu Christ« von Johann Schop). In Heinrich Schütz (gar nicht so) Kleinen Geistlichen Konzerten allerdings (die mit einer italienischen Einleitung à la Orlando di Lasso überraschten) fanden Sopran und Baß zu einer ausgeglichenen Partnerschaft.

Ein Text bzw. eine Gesanglichkeit lag vielen der Werke inne, und so vermißte man in Johann Schops Paduana à 6 am Ende des Programms beinahe das gesungene Wort.

Mit Johann Philipp Kriegers »Ihr Christen freuet Euch« und einem als Zugabe angefügten Lied (»Kann auch der Liebe Band«) sandten die Musiker der Hamburger Ratsmusik ihr Publikum frohen Herzens nach Hause – und in die nächsten Konzerte. Denn von Schütz, Schop &. Co. gab und gibt es in diesen Tagen noch mehr zu hören.

(Fortsetzung folgt.)

7. Oktober 2023, Wolfram Quellmalz

http://www.schuetz-musikfest.de/

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