Schumann-Preis der Stadt Zwickau an drei herausragende Künstler vergeben
Alle zwei Jahre wird der Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau an Künstler, Musikwissenschaftler oder Institutionen vergeben, die sich in besonderem Maße um das Werk des 1810 in Zwickau geborenen Komponisten verdient gemacht haben. In diesem Jahr dürfen sich zwei Pianisten und ein Sänger darüber freuen.
Es ist nicht irgendein Preis, sondern einer, der in der Musikwelt etwas zählt, der Symbolkraft hat. Und Geschichte: Pianisten wie Sjatoslaw Richter (1968), Emil Gilels (1973), Alfred Brendel (2002) oder András Schiff (2011) haben ihn bereits erhalten, zuletzt Ragna Schirmer für ihre jahrelange vertiefte Auseinandersetzung um beide Schumanns und ihren Kreis (Termine unter: https://ragna-schirmer.com/termine/). Auch Dirigenten haben ihn erhalten, Nicolaus Harnoncourt oder Wolfgang Sawallisch zum Beispiel, und Sänger: Theo Adam, Juliane Banse und natürlich Peter Schreier, der die Auszeichnung bereits mit 33 Jahre zugesprochen bekam.
Vergangene Woche wurden im Rahmen einer Matinée des Robert-Schumann-Hauses gleich drei Preisträger des Jahrgangs 2023 geehrt. Katrin Synofzik, Vorsitzende der Robert-Schumann-Gesellschaft, freute sich: Wenn ihre Gesellschaft der Stadt Zwickau alle zwei Jahre die Preiskandidaten vorschlägt, kann das lange und fruchtbare Diskussionen nach sich ziehen. Diesmal jedoch nicht, denn für alle drei Preisträgerkandidaten gab es einhellige Zustimmung. Geehrt wurden der Pianist Florian Uhlig sowie das Lied-Duo Christian Gerhaher und Gerold Huber.
Florian Uhlig, der 1996 übrigens den Robert-Schumann-Wettbewerb im Fach Klavier gewonnen hatte, schloß im vergangen Jahr eine Gesamtaufnahme der Werke Robert Schumanns für Klavier ab. Sein dramaturgischer Berater Joachim Draheim, 2003 selbst Schumann-Preisträger, nennt es gar die erste echte Gesamtaufnahme, denn Florian Uhlig hat wirklich alles dafür berücksichtigt, was Schumann geschrieben hat. Also alle Fassungen, Fragmente und Skizzen. Die CDs sind thematisch klug zusammengestellt und enden mit frühen Werken, zu denen es später eine zweite Ausgabe gegeben hatte. Mit einem letzten Nachsatz, der Bruchstücke enthält, gibt der Pianist dabei noch Einblick in die Werkstatt Robert Schumanns.
Kaum weniger umfang- und ereignisreich ist die Gesamtaufnahme des Liedschaffens von Robert Schumann durch Bariton Christian Gerhaher und seinen Begleiter Gerold Huber. Von Jugend an miteinander bekannt, ist ihre Zusammenarbeit sogar eine exklusive. Laudatorin Irmgard Knechtges-Obrecht rühmte das kongeniale Schaffen des Duos ebenso wie seine Brillanz und Angemessenheit in den Aufnahmen. Für beide, die heute sogar eine gemeinsame Professur in München begleiten, war in noch jungen Jahren Dietrich Fischer-Dieskau ein wichtiger Impulsgeber. (Auch ihn finden wir in der Liste der Schumann-Preisträger: 1987.)
Die Matinée am Feiertag im Robert-Schumann-Haus Zwickau wurde von Solisten des Gewandhausorchesters begleitet. Einmal war es zulässig, die Sätze eines Streichquartetts (Schumanns Opus 41 Nr. 3) einzeln zu spielen und zwischendurch zu applaudieren. Sebastian Breuninger und Julius Bekesch (Violinen), Chaim Steller (Viola) und Christian Giger (Violoncello) entfachten jenes Gegenüber aus Leidenschaft und subtiler Tiefe, das für Schumann so typisch ist.
Die geehrten bedankten sich ihrerseits mit knappen Worten und vor allem Musik. Vor allem Florian Uhlig stellte dabei heraus, wie dankbar er doch sei, Schumann spielen zu dürfen und wie dieser – im Quartett eben gehört – doch immer ein Genie in einer eigenen Liga bleibe. Mit den Abegg-Variationen und dem Allegro Opus 8 gab Uhlig seine Kostprobe, Christian Gerhaher und Gerold Huber gelang es, Schumanns »singulären, partikulären« Zugang in zwei Miniatur-Zyklen aus Opus 53 (»Blondel’s Lied«, »Loreley« und »Der arme Peter«) sowie aus Opus 83 (»Resignation«, »Die Blume der Ergebung«, »Der Einsiedler«) darzustellen.
4. Oktober 2023, Wolfram Quellmalz
CD-Tips:

Robert Schumann: sämtliche Klavierwerke, Florian Uhlig, Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, Christoph Poppen, erschienen bei Hänssler (2009-2022)

Robert Schumann: sämtliche Lieder, Christian Gerhaher, Sibylla Rubens, Camilla Tilling, Wiebke Lehmkuhl, Christina Landshamer, Martin Mitterrutzner, Julia Kleiter, Anett Fritsch, Gerold Huber (Klavier), James Cheung (Klavier), erschienen bei Sony (2007-2020)