Osterkonzert des Dresdner Kammerchores mit der Dresdner Philharmonie
Nur fünf Werke standen diesmal auf dem Programm des Dresdner Kammerchores – sonst erklingen oft viel mehr, wenn zum Beispiel kleinere Chorlieder gesungen werden. Doch für das Osterfest hatte sich Kammerchor-Leiter Hans-Christoph Rademann für eine konzentriertere Abfolge entschieden, und die begann mit einem Auftritt des Orchesters allein. Das Konzert im Kulturpalast war die Fortsetzung einer mittlerweile seit einigen Jahren bestehenden Partnerschaft, und so durften die Philharmoniker zunächst Johann Sebastian Bachs Orchestersuite D-Dur (BWV 1068) allein vortragen. Um Konzertmeisterin Heike Janicke stehend – das kennt man von den Philharmonikern bei solchen Werken – ließen sie nicht nur die Bach’schen Funken sprühen, sondern zeigten sich wandlungsfähig. Schon hier trat immer wieder das Cembalo (Michaela Hasselt) hervor – es sollte später in der Kantatenbegleitung noch zum Gelingen erheblich beitragen.
Der Dresdner Kammerchor war mit zwanzig Frauen- und sechzehn Männerstimmen so stark besetzt wie selten – allerdings ist der Konzertsaal im Kulturpalast auch kein kleiner Raum. Und wie anders hier Klangeindrücke entstehen, das wollten am Ostersonntag viele hören – der Saal dürfte bis in den zweiten Rang fast ausverkauft gewesen sein! Die Gegenüberstellung bzw. der Vergleich lohnte, wie vor der Pause zum Beispiel Ēriks Ešenvalds‘ »Stars« vorführte: das Lied war zuletzt im Rahmen von ZentralVokal im Dezember erklungen. Hier erreichte es schon durch die größere Anzahl an Sängern noch mehr »Raumtiefe«, die Klanggläser, deren Anzahl ebenso gewachsen war, erweckten orchestrale Eindrücke.
Mit Franz Liszt (»Es muß ein Wunderbares sein«) und Gustav Mahler (»Ich bin der Welt abhanden gekommen«), beides im Arrangement von Clytus Gottwald, loteten Hans-Christoph Rademann und sein Chor romantische Werke aus. Auf die Barocke Klangpracht folgten zunächst ruhige Besinnung, das Verlorensein schien bei Mahler noch einmal stärker, tiefer als in der ursprünglichen Fassung – erstaunlich, führen Bearbeitungen doch sonst leicht zu Verfremdungseffekten.
Den Abschluß bildete eine Kantate Johann Sebastian Bachs, die sogar eine Erstaufführung für die Dresdner Philharmonie darstellte. Nicht Ostern, sondern Sachsen stand dabei im Mittelpunkt: »Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen« (BWV 215) hatte Bach 1734 zu einem Besuch des Kurfürsten August des Starken in Leipzig singen lassen. Hier und da konnte man glauben, ein wenig Matthäus-Passion »durchzuhören«, vor allem aber erfrischte die höchst lebendige Art, mit der hier ein so wenig gespieltes, weltliches Werk der Lobpreisung geboten wurde. Mit Elisabeth Breuer (Sopran), Daniel Johannsen (Tenor) und Matthias Winckhler (Bariton) hatten sich drei wandlungsfähige Solisten gefunden (Matthias Winckhler übernimmt derzeit im Stuttgarter Projekt Vision.Bach viele Baß-Partien), die dem Werk gerade gestalterisch noch einiges hinzufügten und sich im Terzett wie auch geteilten Rezitativen ergänzten. Dabei hatten sie manch endlose Koloraturen und erhebliche Intervallsprünge zu bewältigen!
1. April 2024, Wolfram Quellmalz
Die Dresdner Philharmonie folgte ihnen in der Virtuosität vor allem mit den Flöten (Kathrin Bäz und Karin Hoffmann) sowie den Oboen (Johannes Pfeiffer und Guido Titze), verfügte aber darüber hinaus über ein biegsames Basso continuo.

Am 16. April (19:30 Uhr) wird die Reihe ZentralVokal im ZentralWerk (»West«) fortgesetzt.