Konzentration und Dualismus

Benefizkonzert für das Römische Bad mit Kevin Zhu und Jan Vogler

Seit 2012 ist das Römische Bad im Schloß Albrechtsberg bereits abgesperrt. Damals war mit einer Sanierung begonnen worden, für die aber das Geld ausging. Seit dem vergangenen Jahr gibt es nun Fortschritte und weitere Planungsabschnitte. Im kommenden Jahr sollen wesentliche Etappen mit eigenen (städtischen) und Bundesmitteln abgeschlossen werden, doch werden diese Mittel nicht genügen, weshalb die Stadt seit einiger Zeit Spenden sammelt. Neben Hinweisen auf Plakaten und in den Straßenbahnen gibt es weitere Aktionen. Am Donnerstag gaben die Dresdner Musikfestspiele (DMF) im Kronensaal von Schloß Albrechtsberg in einem Benefizkonzert ein Vorspiel (die DMF finden in diesem Jahr vom 14. Mai bis 14. Juni statt).

Jan Vogler freute sich, hier nach langer Zeit wieder einmal selbst spielen zu können. Zwar hat er 1991 an diesem Ort erste Erfahrungen als Veranstalter gesammelt – heute sind die Meisterkonzerte mit dem Moritzburg Festival organisatorisch vereint, doch treten auf Schloß Albrechtsberg in der Regel Gäste auf, Jan Vogler bleibt dann in der Rolle des Künstlerischen Leiters.

Römisches Bad am Schloß Albrechtsberg noch mit funktionierendem Brunnen, Zustand von 2007, Bildquelle: Wikimedia commons

Am Donnerstag war dies wieder einmal anders. Zunächst wartete Jan Vogler jedoch ab, denn die beiden Künstler des Abends traten erst nach der Pause gemeinsam auf. Auch Kevin Zhu kam einst über Moritzburg nach Dresden, hatte Auftritte bei den DMF und spielte einmal Paganinis Capricen auf Schloß Albrechtsberg, wobei ihm – als steckte ein Teufel dahinter – dreimal an derselben Stelle des Stückes eine Saite riß (aber nicht die Geduld).

Johann Sebastian Bachs Sonate für Violine solo Nr. 1 (g-Moll, BWV 1001) war von solchen Unbilden jedoch frei. Ungetrübt kristallisierte Zhu den Ton im Adagio, ließ ihn konturiert hervortreten und spendete ihm Schatten – die Konzentration übertrug sich auf das Publikum, das gespannt lauschte. Die Fuga brauchte danach den Bogen in der ganzen Länge, aber auch mit kurzen Stößen, und brachte einen frohen Sinn in die konzentrierte Spannung, wie eine Freude des Lebens. Ob Wippfiguren, Triller oder Doppelgriffe – Bach kam in vielen seiner Sonaten auf Elemente der Triosonate zurück – Kevin Zhu bewältigte die substantiellen, virtuosen Passagen nicht nur spielerisch, er bewahrte dem Ton einen luziden Charakter. Nach dem beruhigenden Siciliano ließ er den Bogen noch einmal durchs Presto fliegen, als sei auch dies eine Caprice.

Wie würde Jan Vogler darauf »antworten«? Gar nicht bzw. angemessen, zumindest war die Suite für Violoncello solo Nr. 5 (c-Moll, BWV 1011) von Johann Sebastian Bach nicht die Antwort auf eine Herausforderung, sondern schloß sinnig – tonal wie sinnlich – an das eben gehörte an. Vor mittlerweile vielen Jahren hat Jan Vogler die Solosuiten einmal erarbeitet und aufgenommen, die Aufnahme sogar von vorn begonnen, weil das Cello, das er mittendrin fand, seine Spielweise veränderte. Doch Bach scheint jedes Mal eine Herausforderung zu sein oder – noch besser – ein Grund zur Hingabe. So zumindest ließe sich die fast übermächtige Konzentration erklären, mit der sie Jan Vogler bot.

Die fünfte der Suiten, hatte der Cellist erklärt, birgt eine Besonderheit in der Stimmung der Saiten (Grundtöne), weshalb sie noch tiefer und dunkler klingt. Jan Vogler drang aus diesen Tiefen ans Licht vor, mit Spielfiguren, die der Violinsonate an Virtuosität und Ausdruck in nichts nachstanden.

Nach solch luftigen, kompakten, eindringlichen und beeindruckenden Klängen war die Pause wohlgesetzt, Maurice Ravels Sonate für Violine und Violoncello hätte den Anschluß sonst vielleicht verpaßt. So aber wuchs sie zu einem interessanten Wechselspiel – Ravel stellt beide Spieler zunächst gegenüber, doch sie reichen einander die Motive, greifen gleiche Motive auf, spielen erst versetzt wie in einer Phasenverschiebung, die sich schließlich auflöst und beide Stimmen verschmilzt.

Es waren nicht kantable Melodien, sondern strukturell belebende Elemente, Flageoletts und Pizzicati, die das Wechselspiel in größtmöglicher Übereinstimmung belebten. Da war wohl mehr als ein nur grundlegendes Vertrauen zwischen den beiden Spielern! Mit der Passacaglia von Johan Halvorsen nach Händel, eines der reizvollsten Stücke für ihre Besetzung, bedankten sich Kevin Zhu und Jan Vogler für den Applaus.

3. April 2026, Wolfram Quellmalz

Winzer Lutz Müller hat für das Römische Bad eigens eine neue Cuvée kreiert. Mehr zum Römischen Bad und zu Spendenmöglichkeiten unter:

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