Frühlingsfrische und andere Entdeckungen

Konzert des Vocal Concert Dresden im Seifersdorfer Tal

Das Vocal Concert Dresden zeichnet sich nicht nur durch eine beständige Qualität aus, sondern auch durch eine Beständigkeit des Wandels. So wird das Repertoire mit dem sich verändernden Chor weitergetragen und -entwickelt, weshalb es kaum echte Wiederholungen gibt. Daher darf man sich auch bei seit Jahren gepflegten Formaten wie »A festival of nine lessons and carols« zu Weihnachten in Loschwitz oder den Wandelkonzerten in den Räumen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf immer neues oder neu beleuchtetes freuen.

Dasselbe gilt für die Frühlingskonzerte im Seifersdorfer Tal. Am Sonnabend präsentierte sich das Vocal Concert Dresden mit seinem Leiter Peter Kopp zum Wiederholten Mal dort auf Einladung des Veranstalters Seifersdorfer Thal e. V. bei zwar stabilem, aber etwas kühlem Wetter und ließ Naturklänge schallen. »Britten & Friends« war der ursprüngliche Impuls gewesen, sagte Peter Kopp, nur habe er dann entdecken müssen, daß Benjamin Britten eigentlich keine Freunde im Sinne von Künstlerfreundschaften mit lebhaften Diskussionen und Austausch gehabt hatte – Freunde an sich gab es natürlich. Also durften andere Impulsgeber, vor allem die Generation der Väter dazustoßen.

Konzert des Vocal Concert Dresden mit Peter Kopp im Seifersdorfer Tal, Photo: NMB

Das erwies sich als inhaltsreich, denn Peter Kopp moderierte, nicht im Sinne eines Unterhaltungskonzertes, sondern legte die Hintergründe, manchmal untergründiges offen, denn nicht selten ging es um Andeutungen, Hexenzauber oder offenkundige Schäferstündchen – für das Konzert draußen gab es natürlich kein Programmheft, denn das Blättern wäre wohl unpraktisch gewesen und hätte eher abgelenkt.

Mit der Führung durch den Chorleiter brauchte niemand die genauen Texte und Übersetzungen, denn manches hatte so viel Imaginationskraft, daß man sich die Shakespeare-Szene dazu gut vorstellen konnte, wie bei Ralph Vaughan Williams, der in seinen »Three Shakespeare songs« auf »Den Sturm« und »Ein Sommernachtstraum« Bezug genommen hatte.

Begonnen hatte alles mit Frederick Delius‘ »To be sung of a summer night on the water I«, das sich nicht mit einem gesungenen Text, sondern einem Vokalklang ins Tal schmiegte. Spätestens danach begannen die Entdeckungen mit zwei der »Songs of springtime« von Ernest J. Moeran. Die Wandelbarkeit des Vocal Concert Dresden führte zunächst in die unheimlich schmeichelnden Wassertiefen des »The river-god‘s song«, bevor sich der Komponist mit »Spring, the sweet spring« als versiert im Umgang mit einem traditionellen Volksliedgestus zeigte. Sein Mitbewohner Peter Warlock, auch als Person um einiges spektakulärer, wie man erfahren durfte, fügte zwar im getragenen Stil, aber mit einer modernen Harmonik »The spring of the year« an.

Benjamin Britten war mit den »Five flower songs« eine Wiederbegegnung im Seifersdorfer Tal. Peter Kopp ließ die Vielfalt der Blumen aufsprießen, beginnend mit den hellen Narzissen (die bereits den Tod in sich tragen), erzählte vom geheimen Dasein der Moorblumen und dem Leuchten der Nachtkerze, dem Britten aus nicht nachvollziehbaren Gründen die Geschichte eines Besenbindersohnes angefügt hatte, der nach langem Nichtstun einmal aufsteht, um zum Markt zu gehen, und sogleich von einer Frau gefunden wird, die ihn heiratet – pädagogisch untauglich!

Nebenbei erfuhr man nicht nur den Inhalt der Lieder und manches aus dem Leben der Komponisten, sondern auch viel über die Sichtweise des Chorleiters. Es ist immer interessant, etwas über die Sicht oder Einschätzung des Interpreten zu wissen. So schätzt Peter Kopp zum Beispiel Ralph Vaughan William, der in seinem langen Leben musikalisch nicht stehengeblieben ist (wie Britten, der viel konservativer war), sondern sich gewandelt und von der Romantik, in der er noch geboren war, entfernt hatte.

Dennoch sind und waren auch hier natürlich Rückgriffe erlaubt, nicht zuletzt, weil sich Komponisten oft mit ihren Vorgängern befassen, altes neu aufgreifen und anders wiedergeben. Das kurze, knappe Madrigal »Flora gave me fairest flowers« von John Wilbye war nicht nur ein frühes Beispiel englischer Musik aus dem 17. Jahrhundert, sondern mit seiner berührenden Interpretation für manchen das schönste Stück des Nachmittags.

Wobei solche Wertung schon angesichts der gebotenen Vielfalt ungerecht ist, die neben kunstvollen Liedern und gesungenen Anekdoten oft volkstümliches bot. Ernest J. Moeran durfte noch einmal von den Schlichen der Liebe erzählen lassen (»Said I that Amaryllis«), bevor sich mit zwei berühmten Vertretern, »I sowed the seeds of love« von Gustav Holst und »Greensleeves« im Satz von Ralph Vaughan William die Frühlingsboten (vorerst) zurückzogen.

Der Seifersdorfer Thal e. V. bietet verschiedene Veranstaltungen und Gelegenheiten zum Mitgestalten, denn er sit aktiv in die Pflegearbeiten des kulturell wertvollen Tales eingebunden:

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