Musikalischer Balsam

»Seelentrost« bei den Batzdorfer Barockfestspielen

Seit dem Wochenende wird das Herrenhaus in Batzdorf wieder zum Schloß – die Batzdorfer Barockfestspielen bieten von der Ausstellung bis zu verschiedenen Konzertformaten, viele Anreizpunkte. Am Dienstag war Isabel Schicketanz, der Sopran des Ensembles Ælbgut, mit einem Soloprogramm »Seelentrost« zu erleben.

Mehr noch als bei der Melancholie, die im 17. Jahrhundert zum Modethema wurde, vervielfältigten sich hier die Berührungsgründe. Einsamkeit, Erschütterung, Trauer und Angst konnten bzw. Auslöser sein, die Anlaß für den Seelentrost geben. In Wort und Musik wurde er reich gespendet, an diesem Abend von Heinrich Albert, Heinrich Schütz und vielen anderen.

Das äußerst intime Programm, das sich fast im Wortsinn um die eine Stimme rankte, bot dennoch nicht nur leise und leiseste, sondern ebenso frohgemute Töne. Die Begleitung übernahmen Adele Stolte mit einer Viola da Gamba, die manchmal die Singstimme ergänzte, Stephan Rath und Stefan Maass, deren Lauten gar nicht so klar in melodieführende und baßbegleitende Funktion unterteilt waren, wie das Programmheft vermuten lassen konnte (dort waren »Laute« und »Theorbe« genannt) sowie Sebastian Knebel auf einem fast monströs großem, achtfüßigen Konzertcembalo – hier ist einmal tatsächlich die Zahl der »Beine« des Instruments gemeint, nicht der Tonbereich der Saiten (bei Cembalo und Orgel werden Register im allgemeinen nach Vierfuß, Achtfuß etc. unterschieden).

Stefan Maass, Sebastian Knebel, Isabel Schicketanz und Adele Stolte im Rittersaal auf Schloß Batzdorf, Photo: NMB

Isabel Schicketanz durchmaß mit ihrer klaren Stimme die emotionalen Regionen von zart bis lebensfroh. Noch im tänzerischen Übermut und einem »Ich lasse mich nicht unterkriegen« kann ein großer Seelentrost liegen! Die Zartheit wiederum war nie so stark gebremst, daß sie in Verzagtheit gefallen wäre. Das galt schon für Heinrich Alberts a cappella vorgetragenes »Ich steh in Angst und Pein« – es war der Beginn einer Anrufung, Bitte, mit Dringlichkeit vorgetragen, die in Heinrich Schütz‘ direkt angeschlossenem »Eile, mich, Gott, zu ertetten« mündete. Nun von den Musikern begleitet, entwickelte die Stimme eine emphatische Kraft, konnte sich mühelos aufschwingen oder in einem schnell wiederholten »eile« die Dringlichkeit betonen.

Obwohl Isabel Schicketanz‘ Sopran einerseits so charakteristisch und individuell ist, daß man ihn sofort erkennt, ist seine Darstellungsweite doch enorm, reicht vom samtenen Piano bis in eine weit oben liegende Leuchtstärke. Bekräftigt wurde dies durch das flexible Ensemble, das in seiner Besetzung manche Lieder schlicht oder prachtvoll begleitet, so wie es dem Charakter der Stücke entsprach, oder in mehreren Strophen eine Entwicklung nahm wie mit den Registern einer Orgel im (trostspendenden) Gemeindelied.

So gab es auch diesmal manche Entdeckung und Begegnung. Begegnungen mit liebgewonnenen Titeln, manche selten gehört, wie Heinrich Schütz‘ »O Jesu, nomen dulce« aus den Kleinen Geistlichen Konzerten (SWV 308), später folgte, mit einem ähnlichen Bezug, Sophie Elisabeth zu Mecklenburgs »Ach Jesu, meiner Seele Wonn«. Vom bekannten Kirchenlieddichter Adam Krieger waren verschiedene Werke zu erleben – er hat auch weltliche Genüsse beschrieben. »Ein Freund, ein Trunk« tröstet die Seele mit Lebensfreude und endete mit einem lautstarken Jauchzer.

Zu den Entdeckungen zählten Martin Kölers kunstvolles »Cor mundum« sowie Christoph Bernhards »Salve me Jesu«. Beiden wurde von einer fast opernhaften Zier der Stimme getragen. Dennoch blieb die Feinheit der Ausgestaltung noch hier wesentliches Merkmal.

Denn in Stimme und Begleitung reichen Liedern standen besonders schlichte, besinnliche Titel sowie instrumentale Momente des Innehaltens, gegenüber. Eine Toccata (kunstvoll) und eine Allemande (bedächtig) von Matthias Weckmann führten die Temperamente des Cembalos vor, während Johannes Schencks Adagio aus der Sonata No. 2 (a-Moll) mit der Viola da Gamba eine höfische Pracht entwickelte.

Mit einem schlichten Abendlied klang das Programm aus – da hätte eine Zugabe gar nicht gepaßt.

26. August 2026, Wolfram Quellmalz

CD-Tip: Die Zugabe für zu Hause: »Seelentrost«, erschienen bei Perfect Noise

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