Vor allem in der Unterhaltsamkeit überraschend

Ensemble Nobiles bei der Alten Musik in Leubnitz

Zu viel »Alt« will das Musikfest im Titel offenbar vermeiden, denn die Alte Musik in Leubnitz ist tatsächlich in Altleubnitz zu Hause, in einer der schönsten und ältesten Kirchen Dresdens. Seit ihrer Restaurierung und der Sicherung des Berghangs Leubnitzer Höhe scheint sie noch schöner. Dazu ein spätsommerlicher Sonnenschein – was braucht man mehr?

Etwas Musik! Die gehört zwischen Ende August und Anfang September dazu. Seit über zwanzig Jahren gibt es Alte Musik in Leubnitz schon, darauf konnte Gunter Haufe vom Verein zur Förderung und Pflege der Kirchenmusik in Leubnitz-Neuostra e. V. am Sonntag zum Start verweisen. Kein Jubiläum in diesem Jahr, aber immerhin ist die ursprüngliche Woche der Alten Musik vor einigen Jahren leicht gewachsen, wird gepflegt wie die restaurierte Kirche und ihre Orgel.

Spätsommerblüte auf dem Kirchhof von Altleubnitz, Photo: NMB

Genug Geschichte also, um manche Musiker zu begrüßen, die bereits einmal dagewesen sind. Am Sonntag waren dies Ensemble Nobiles. Die ehemaligen Thomaner können ihrerseits bereits das zwanzigjährige Jubiläum feiern und sind ihren Wurzeln treu geblieben und pflegen manche Leipziger Aspekte und Ursprünge besonders, nicht nur mit Werken Johann Sebastian Bachs, sondern jenes Thomaskantors aus ihren eigenen Tagen, Georg Christoph Biller.

Doch trotz so seltener Repertoiregriffe (»Herr, tue meine Lippen auf« und »Verleih uns Frieden gnädiglich«) und eines symmetrischen Programmaufbaus mit zwei Werken der beinahe vergessenen Ruth Zechlin (Kyrie und Agnus Dei aus der Scheyerer Messe) konnte der erste, geistliche Programmteil nicht überzeugen. Die Stimmen sind nach wie vor gut, aber insgesamt schienen sie nicht so gepflegt und aufeinander eingeschworen, wie man dies bei einem permanent agierenden Ensemble gewohnt ist. Gerade dem Zusammenwirken fehlte das verbindliche, geschmeidige. So entstand der Eindruck von fünf Sängern, die zwar jeder »bei sich« waren, aber nicht »beieinander«. Immer wieder traten einzelne Stimmen dominierend hervor, wie von Countertenor Paul Heller. So schienen trotz variabler Besetzung (manchmal Quartett statt Quintett, mit einer tiefen Stimme weniger) die Arrangements gleichförmig.

Das hinderte das Ensemble (außerdem Marc-Eric Schmidt / Tenor, Benjamin Mahns-Mardy / Bariton, Lukas Lomtscher / Baßbariton sowie Lucas Heller / Baß) dennoch nicht, seine Souveränität in Sachen Bach auszuspielen. Vor allem »Wer nur den lieben Gott läßt walten« (Coro aus der gleichnamigen Kantate BWV 93), das von Bach mehrfach verwendete Kirchenlied »Nun lob mein Seel den Herren« sowie »Der Herr ist mein getreuer Hirt« aus der Choralkantate BWV 112 in einer Bearbeitung von Paul Heller standen dafür Pate.

Mit dem Wandel des zweiten Programmteils zum volkstümlich-unterhaltsamen wurde Ensemble Nobiles deutlich authentischer. Wie in der ersten Hälfte reichten die Titel von der Renaissance bis ins Heute, boten aber noch manches Plus, vom Mitsingen bei Friedrich Silchers »Ännchen von Tharau« über Max Regers Liedsätze teils hintergründiger, gewitzter Texte (»Ich ging durch einen grasgrünen Wald«, »Das Lieben bringt groß Freud«) bis zu neueren Stücken.

In den Moderationen kommentierte das Quintett manche Liedinhalte und flocht Repertoireanekdoten ein, auch wußten die fünf auf das versehentlichen Abspielen eines eben (heimlich) in der Kirche mitgeschnittenen Handyvideos einzugehen, um auf die mitgebrachten, qualitativ doch besseren (und legalen) CDs zu verweisen.

Das ergänzte sich mit manchem Liedtext, wie Bernd Engelbrechts »Ein Jäger längs dem Weiher ging«, bei dem sich der Eindruck aufdrängte, nicht ein Tier oder ein anderer, sondern der Jäger sei auf der Flucht (»Mein lieber Jäger, lauf, mein lieber Jäger lauf!«).

Zudem erinnerte das Programm von Ensemble Nobiles, daß Orlando di Lasso, den man wegen seines Namens, seiner Jahre in Italien und vieler Werke mit italienischen Texten leicht als Italiener verortet, vermutlich in der Wallonie gebürtig war. Der Komponist schrieb unter anderem auf deutsch und hinterließ zahlreiche französische Chansons. »Bonjour et puis quelles nouvelles« und »Bonjour mon cœur« fragte nicht allein nach Neuigkeiten oder wünschte dem Schatz einen guten Morgen, es verbarg manch hintergründigen Witz – vom Quintett offenherzig freigelegt.

31. August 2026, Wolfram Quellmalz

Am Wochenende gibt es eine lange Nacht der Musik zum Mittmachen sowie ein Orgelkonzert.

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