mdr Musiksommer mit Christina Pluhar und L’Arpeggiata

Der mdr Musiksommer machte – etwa zur Halbzeit – in der Frauenkirche Dresden Station und präsentierte Christina Pluhar mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata. In Gastrollen bzw. als Solisten mit Sonderbeiträgen waren außerdem Raquel Andueza (Sopran), Vincenzo Capezzuto (Alt), Veronika Skulplik (Violine) und Doron Sherwin (Zink) zu erleben.

L’Arpeggiata hatte ein Programm mit Musik vor allem des 17. Jahrhunderts zusammengestellt. Viele der Stücke haben ihren Ursprung in der damals blühenden Marienverehrung. So waren auch die Wiegenlieder keine einfachen Wiegenlieder, sondern solche Marias.

Das Ensemble L’Arpeggiata hat sich auf die Musik jener Epoche spezialisiert und fällt durch eine besondere Lebendigkeit auf. Die historische Aufführungspraxis schließt bei ihnen zahlreiche Improvisationen mit ein. Der Klang wird ganz wesentlich durch die gewählten Instrumente bestimmt. So hat die Violine gar keine tragende Rolle, sondern tritt eher solistisch aus. Prägend sind dagegen Zink, Laute, Harfe, Baß, Orgel und Perkussionsinstrumente.

Das vorweg: das Konzept von L’Arpeggiata ist anders als bei vergleichbaren Ensembles und man muß es mögen. Neben dem speziellen Klang sind die Auftritte der Musiker von einigen Inszenierungsdetails geprägt. So haben die Solisten teilweise den Platz in der Kanzel eingenommen, während die Kollegen davor, also im Kirchenschiff, musizierten. Das führt zu ungewöhnlichen Klangeffekten, doch nicht immer ist es notwendig. Manchmal ist es ein wenig zu viel Inszenierung und zu wenig Ruhe. Auch gehen (fast) alle Musikstücke ineinander über, was Christina Pluhar durch einleitende Spiele auf der Laute bewerkstelligt. Kleine Besinnungspausen bleiben da nicht, mit Ausnahme nach der »Ciaconna«, als das Publikum die Violinistin (verdient) beklatschte und feierte.

Bestens aufeinander eingestimmt waren diese Musiker, die einen immerwährenden Klangteppich des 17. Jahrhunderts in der Frauenkirche ausbreiteten. Nach einer einleitenden »Annunciation« von Heinrich Ignaz Franz Biber geben Raquel Andueza und Doron Sherwin ein bezauberndes Duett, in dem die Gesangsstimme vom Sopran zum Zink und wieder zurück wechselt. Und das von Vincenzo Capezzuto vorgetragene »Stù criatu« dürfte wirklich jeden der anwesenden angerührt haben. Sein wunderschön timbrierter Alt war ein ganz prägender Eindruck in diesem Konzert. Und wenn es in Giovanni Felice Sances »O dulce nomen Jesu« heißt »…tu verus delitiarum Paradisus.« (…Du wahrhaftiges Paradies der Freude), dann war das ein Versprechen!

Das Konzert konnte mit weitgehend unbekannten (soweit das Programm nicht schon an anderer Stelle oder auf den CDs des Ensembles gehört worden war) Stücken und ungewohnten Klangbildern begeistern. Nicht zuletzt deshalb, weil es über weite Strecken tänzerischen Rhythmen folgte und eine durchweg eindringliche Instrumentation aufwies. Dem Zink kamen hier zentrale Passagen zu, aber eben nicht nur ihm, denn jeder der Musiker hatte seine Wirkungsstellen und Möglichkeiten der Improvisation. Wie eingangs gesagt: man muß es mögen, denn die vielen Effekte können auch stören.

Leider nicht ausgewogen waren auch die Gesangsstimmen, die nicht die gleiche »Größe« hatten. Während Vincenzo Capezzuto gerade mit Geschmeidigkeit und Schlichtheit bestach, war er dem gesamten Ensemble und Raquel Andueza das eine oder andere Mal an stimmlicher Stärke unterlegen. Daß er dies nicht mit Kraft auszugleichen versuchte, spricht für ihn und trug zum sonst hervorragenden Eindruck des Sängers bei. Die Stimme Raquel Anduezas dagegen trägt den Klang bis zur obersten Kirchenempore und hat eine enorme Strahlkraft, neigte allerdings in einigen Passagen auch zur Schrillheit.

In Erinnerung bleiben wird ein höchst individuelles Konzert, welches Einblicke in die Musik der (vorwiegend italienischen) Renaissance gewährte und nicht zuletzt mit großer Spiellust beeindruckte. So wie auch noch einmal in einer witzigen Zugabe, in der sich die beiden Sänger des Abends mit dem nun als Bariton agierenden Doron Sherwin ein Gesangsduell lieferten. Ganz italienisch, mit Sonnenbrillen natürlich!

Wolfram Quellmalz

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