Moritzburg Festival Orchester im König Albert Theater Bad Elster

Alljährlich findet seit 1993 im August vor den Toren Dresdens ein Kammermusikfest statt, welches sich nicht nur schnell etablieren konnte, sondern innerhalb kurzer Zeit auch zu den bedeutendsten Festivals seiner Art in Europa zählte. Schon immer waren auch junge Teilnehmer in Moritzburg, 2006 wurde die Festival Akademie gegründet, welche sich der gezielten Nachwuchsförderung verschrieben hat. Seit 2008 ist sie vor dem Eröffnungskonzert in der Gläsernen Manufaktur Dresden jeweils zu Gast im König Albert Theater Bad Elster.

Das Moritzburg Festival Orchester setzt sich aus den Akademiemitgliedern sowie einigen Tutoren zusammen. Außerdem wird jeweils ein Dirigent verpflichtet, der die Vorbereitung und Aufführung der Orchesterwerke leitet. In diesem Jahr ist es Heinrich Schiff. Die Akademisten haben bereits eine intensive Woche hinter sich, denn erst vergangenen Sonntag trafen alle zusammen und haben seit dem die Vormittage der Erarbeitung der Orchesterstücke und den Konzertproben gewidmet. Gleichzeitig waren die Nachmittage und Abende (und wahrscheinlich auch die Nächte) der Kammermusik vorbehalten. Denn gleich nach dem Festivalauftakt in Orchesterformation gibt es morgen vormittag ein Kammermusikpicknick auf Schloß Proschwitz, nachmittags ein Familienkonzert in den Elbe Flugzeugwerken (dann wieder mit dem Festivalorchester) und am Mittwoch die nun schon traditionelle »Lange Nacht der Kammermusik« in der Evangelischen Kirche Moritzburg. Diese beginnt abends um sieben und dauert (mit der Auszählung des durch das Publikum bestimmten Preises) bis etwa Mitternacht. Zeit genug, für viele Kammermusikformationen und Stücke – man fragt sich angesichts dieses Programmes, wie das die jungen Musiker alles schaffen! Intendant Jan Vogler weiß um dieses Pensum und stellt begeistert fest, daß die Qualität der Akademie von Jahr zu Jahr noch zunimmt.

Davon konnten sich die Besucher des König Albert Theaters Bad Elster gestern überzeugen. Bei Vivaldis Konzert für vier Violinen, Streicher und Basso continuo kamen Akademisten und Tutoren gemeinsam zum Einsatz und teilten sich auch jeweils in die Solostimmen (Akademisten: Nikki Chooi, Timothy Chooi und Theresa Lier, Tutorin und Akademiedirektorin: Mira Wang). Vivaldis Konzert ist leicht und beschwingt (anders als die viel rhythmischere Bearbeitung Johann Sebastian Bachs) und offenbarte nicht nur eine ungeheure Spielfreude, sondern einen großen Zusammenhalt, eine erstaunliche Feinabstimmung der Musiker untereinander. Dabei kam schon vieles von den Akademisten, denn Heinrich Schiff führte hier nicht mit fester Hand, sondern gab viel Freiraum und korrigierte sachte hier und da. (Und auch Mira Wang, hatte als Direktorin des Festivalorchesters »nur« die weniger betonte vierte Solostimme übernommen.)

Nach diesem selten zu erlebenden Stück stand mit Mozarts Klarinettenkonzert KV 622 ein ganz großes Werk der Klassik auf dem Programm. Daniel Ottensamer, Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, brachte von der Donau den typischen, besonders weichen und warmen Ton mit und hatte kein Problem, diesen mit dem Orchester zu vereinen. Auch bei den gehauchtesten Passagen folgte ihm die Akademie willig bzw. gab es eine gemeinsame Auffassung, denn »folgen« könnte ja bedeuten, daß etwas nacheinander passiert – mitnichten! Die sangliche Klarinette war einfach wunderbar und das Orchester große Klasse! Von Pathos keine Spur – so schön ist Mozart.

Und dies war auch der Abschluß, Beethovens Sinfonie Nr. 7. Auch jetzt, mit größtmöglichem Orchesterumfang und dem ausladensten Werk des Abends, war es einfach famos zu erleben, was die jungen Musiker und ihr Dirigent innerhalb weniger Tage »auf die Beine gestellt« hatten. Und auch wenn es – vor allem im vierten Satz – ganz »Zackig« zur Sache ging, mußte Heinrich Schiff nicht am Zügel reißen, damit seine »Pferdchen« nicht durchgingen. Zu Musik und Musikalität gehört auch das rechte Maß, auch das wird den Akademisten in Moritzburg offenbar vermittelt! Freuen wir uns also (wieder) auf die zwei schönsten Wochen im August.

Wolfram Quellmalz

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