Magali Mosnier und I Musici di Roma bauen eine Brücke nach Italien

Im Rahmen der Konzerte »Junge Klassik« und unter dem Motto »Brücken – Italien« traten das italienische Kammerorchester und die französische ARD-Musikpreis-Trägerin gemeinsam in der Frauenkirche Dresden auf. Im Zentrum ihres Programmes stand italienische Musik des frühen achtzehnten Jahrhunderts und solche, die dort ihre Inspiration gefunden hatte. Vielversprechend las sich aber nicht nur das Programm, sondern auch die Liste der Instrumente, auf denen »I Musici« spielen. Es handelt sich um bis zu 350 Jahre alte italienische Meisterwerke, mit Ausnahme des niederländischen Cembalos, das aber auch die Kopie eines entsprechenden Vorbildes sein dürfte. Doch damit hier keine falschen Erwartungen entstehen: »I Musici di Roma« sind kein Ensemble für »alte Musik« oder die »historische Aufführungspraxis«, sie spielen mit modernen Bögen und auf Stahlsaiten, auch reicht ihr Repertoire bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein. Anderenfalls hätten sie sich wohl auch einen Solisten mit Traversflöte und vielleicht einen anderen Aufführungsort gewählt, so aber versprach die Kombination mit der modernen Querflöte einen hellen, weiten Klang – passend zur Frauenkirche.

Leider hatten »I Musici« jedoch Aufstellung im Altarraum genommen – das einzige, aber schwerwiegende Manko des Abends. Wie schon so viele Beispiele gezeigt haben, ist der Platz im etwas tiefer gelegenen zentralen Kirchenschiff ungleich besser geeignet. Der Unterschied ist wirklich gewaltig und sollte – da längst bekannt – in den Konzertplanungen Niederschlag finden. Aus dem Altarraum heraus ist der Hall viel stärker, was vor allem bei forcierter Gangart und mit wachsender Anzahl der Musiker zu verschwommenen Klängen führt. Schon Vivaldis einleitendes Concerto in D-Dur (RV 123) nahm hier Schaden, am schlimmsten traf es aber Johann Sebastian Bachs fünftes Brandenburgisches Konzert. Dieses enthält ein ausladendes Solo des Cembalos, doch war statt eines perlenden, lebendigen Klanges nur Gewaber zu hören. Immerhin: die Zwiesprache von Flöte und Violine war einer der Höhepunkte des Konzertes.

Daß es also dennoch ein schönes Erlebnis wurde, lag an der ausgezeichneten Solistin, deren Flöte sich mit ihrer klarer Stimme über das Orchester erheben konnte, und an einigen besonders gelungenen Programmteilen. Magalie Mosnier begann ihren Teil des Konzertes mit Antonio Vivaldis berühmten »Il gardellino«-Konzert. Hochvirtuos, aber mit größter Sicherheit und Freiheit ließ die Französin ihren Distelfink tirilieren, und auch »La tempesta di mare« (»Der Meeressturm«) brachte ordentlich Wind in die Frauenkirche. Etwas verwunderlich, daß das Publikum hier nicht nach einer Zugabe verlangte!

Doch kam auch das Orchester noch dazu, zu brillieren. Denn mit Vivaldis »Al santo sepolcro« (»Am heiligen Grab«) konnten sich die Musiker nun – akustisch ungetrübt – von ihrer besten Seite zeigen. Das getragene Werk kommt mit einer schlichten, wunderschönen Einleitung und einer mäßig schnellen, aber gleichfalls berückend schönen chromatischen Fuge daher. Staunen ringsum und nur langsam aufkommender Applaus, hier und da hörte man ein leises »Bravo« oder »wunderschön!« Francesco Geminianis »La folia«-Variationen gingen jedoch abschließend leider klanglich baden.

Wolfram Quellmalz

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