Lebendige Musikvermittlung – Junges Musikpodium Dresden-Venedig in der Hofkirche

Seit einigen Jahren gastiert das Junge Musikpodium vor dem ersten Advent nach einer geschlossenen Veranstaltung in der Galerie der Alten Meister Dresden freitags in der Hofkirche, woran sich noch ein Gastkonzert in Berlin anschließt. Diesmal wurde das Programm noch um eine öffentliche Probe in der QF-Passage an der Frauenkirche erweitert. Leider waren im Freitags-Konzert wieder die Plätze in der vorderen Hälfte des Kirchenschiffes für Förderer und Gäste reserviert. Die Musikfreunde mußten – bis auf wenige Ausnahmen – mit einem Platz weiter hinten vorlieb nehmen. Daß die Reservierung dabei nicht besonders geordnet und elegant ablief, war ärgerlich. Viele Besucher fühlten sich wie geduldete Gäste auf einem fremden Fest.

Dem Konzert war dies zum Glück nicht abträglich (sieht man einmal von den akustischen Einbußen ab – frühes Kommen sichert eben nicht die besseren Plätze). Mit dem ersten Bogenstrich entführten die jungen Musiker ihr Publikum nach Venezien. In diesem Jahr stand einzig ein Komponist auf dem Programm: Antonio Vivaldi, aus dessen Schaffen eine Sinfonia sowie vier Konzerte und vier Arien des Vagaus aus dem den Judith- und Holofernes-Stoff aufgreifenden Oratorium »Juditha Triumphans« gespielt wurden. Leider gab es zu letzterem Werk keine näheren Hinweise im Programmheft, so daß nur wenige Konzertbesucher gewußt haben werden, worum es darin geht. Der Freude am glockenhellen, geschmeidigen Sopran Leslie Viscos tat dies jedoch keinen Abbruch. Schwebend und pastoral sang sie mit Blockflötenbegleitung »Umbrae carae, aurae adoratae«, um gleich darauf (»Quamvis ferro«) mit Furor und reichhaltigen Koloraturen zu prunken. In späteren Programmpunkten frohlockte sie ganz offensichtlich und siegesgewiß (»Matrona inimica«) und trumpfte ein weiteres Mal (»Armatae face«) koloraturenlustig (aber auch kriegerisch) auf. Beeindruckend dabei, wie mühelos Leslie Visco dies gelang.

Das Orchester um den Leiter Stefano Montanari setzt sich aus 26 Musikschülern (19 Streicher, 7 Bläser) zusammen, die viele Solostimmen zu spielen haben und dies schon mit erstaunlicher Fertigkeit bewältigen, was beweist, wie fruchtbar der alljährliche Workshop in Venezien ist. Wie passend, daß gleich nach dem ersten Satz der Sinfonia G-Dur (RV 146) von draußen Hufgetrappel zu hören war (nur das Schlagen eines Paddels im Wasser wäre noch treffender gewesen). Vivaldis Konzerte ähneln sich in Anlage und Charakter und scheinen sommerlichen Sturm und innigen Gesang tiefster Empfindungen wechselweise wiederzugeben (insofern wäre eine Erweiterung des Programmes um wenigstens einen anderen Komponisten wünschenswert gewesen), doch gab es vielfach Entdeckungen zu machen, wie die Vogelstimmen der Flöten, die tremolierende Laute Ivano Zanenghis oder den turmuhrschlagenden Baß im Konzert für zwei Violoncelli, Streicher und Basso continuo (RV 576). Hier übrigens war es auch kein Sommerwind, den die Musiker beschworen, sondern ein Herbststurm. Sehr eindrucksvoll gelang auch das Konzert für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo (RV 522) mit einem von allen Weltsorgen befreiten Mittelsatz.

29. November 2014, Wolfram Quellmalz

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