Fortsetzung erwünscht!

Debussy und Monet trafen sich zur 261. »Begegnung der Künste«

Beinahe auf den Tag genau 25 Jahre war es her, daß die »Freunde der Dresdner Galerie Neue Meister e. V.« nach der Wende in der neuen Rechtsform gegründet worden waren, um die Arbeit der Förderung der Galerie sowie der »Begegnung der Künste« fortsetzen zu können. Begonnen hatte alles 1958, damals noch gemeinsam mit den »Alten Meistern«, ein Jahr später gab es zwei parallele Veranstaltungsreihen. Die eine Reihe ging 2008 mit dem 336. »Galeriekonzert« zu Ende, die »Begegnung der Künste« widerstand – zuletzt 2009 – allen Hindernissen, zog mehrfach um. Seit 2012 ist man im Lichthof des Albertinums zu Hause, der Publikumszuspruch ist gestiegen, die Vereinsarbeit trägt Früchte – am Sonnabend konnte nach dem Konzert der jüngste durch den Verein getragene Zukauf präsentiert werden: »Talsperre« heißt das Werk des Dresdner Malers Eric Keller. Hilke Wagner, die neue Direktorin des Albertinums, zeigte sich von der Arbeit des Malers ebenso wie von der regen Tätigkeit des Vereines begeistert.

Die anderen Früchte der Vereinstätigkeit standen im Mittelpunkt des Abends, die 261. »Begegnung der Künste« ist es gewesen. Die Organisatoren hatten dafür impressionistische Farbtupfer in drei Disziplinen zusammengestellt: Claude Monets »Seineböschung bei Lavacourt« von 1879, Claude Debussys einziges Streichquartett von 1893 sowie das Finale aus Camille Saint-Saëns‘ 1899 entstandenen e-Moll-Quartetts. Als Interpreten waren vier Musiker des »Ensemble Mediterrain« gewonnen worden, außerdem laß Stephan Reher zwei Erzählungen Guy de Maupassants.

Leider ist der Lichthof des Albertinums kein Idealer Aufführungsort, doch haben Eunyong Lee, Christiane Liskowski (Violinen), Sonsoles Jouve del Castillo (Viola) und Bruno Borralhinho (Violoncello) es verstanden, sich den Raumverhältnissen anzupassen. Debussys Werk beginnt mit dem Grummeln der Violinen und des Violoncellos, über dem die Viola seufzt, doch gewinnt das Stück schnell an Lebhaftigkeit und Freude. Noch störte der lange Nachhall, doch schon im zweiten Satz »Assez vif« gewann die Lebendigkeit die Oberhand, wurden impressionistische Klangfarben geformt – schwere Wassertropfen schienen da in Monets Seerosenteich zu fallen. Vor dem dritten Satz eingeschoben folgte zunächst die Erzählung »Auf dem Wasser«. Auch diese lebt von den Farben, nicht vom Geschehen. Der Grusel rührt nicht von Fabelwesen oder Monstern her, sondern von den Gebilden, die der Geist einer durch Nebel, Nacht und Rum überreizten Phantasie erschafft. Die Hilferufe des Ruderers auf der Seine ließ Stephan Reher beinahe plastisch durch den Lichthof schallen – eindrucksvoll!

Der anschließende dritte Satz malte diese Farben fort, bevor das Augenmerk nun auf Monets »Seineböschung bei Lavacourt« zu ruhen kam. Ein Abend an der Seine war es also, Heike Biedermann erläuterte Werk und Entstehung, Maltechnik und Einordnung, damalige und heutige Bedeutung. Und noch einmal malten die Musiker des Ensemble Mediterrain fort und brachten Debussys Quartett flirrend zum Ende.

Mit der zweiten Erzählung Maupassants »Eine Landparte« verschwanden Schatten und Mysterium und gaben den Blick frei auf heiteres und groteskes. Maupassant zeichnet seine Figuren mit Freude und Ironie, welche sich Stephan Reher genüßlich über die Zunge gleiten ließ. Zum Abschluß gab es eine bunte Jagd mit dem Finale aus Saint-Saëns‘ erstem Streichquartett.

22. Februar 2015, Wolfram Quellmalz

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