Nachwuchs trifft Liebhaberorchester

Josef Nawrocki und das Haydn-Orchester Dresden in der Dreikönigskirche

Das Haydn-Orchester Dresden nennt sich zwar selbst »Liebhaberorchester«, doch steckt hinter dieser tiefstapelnden Bezeichnung eine Menge Ambition. Wöchentliche Proben, die Unterstützung altgedienter Profimusiker sowie die kundige Anleitung durch Andreas Grohmann und Matthias Herbig bürgen für ein beachtliches Niveau, was sich nicht zuletzt in namhaften Solisten und gut besuchten Konzerten niederschlägt. Am vergangenen Sonnabend standen Werke Franz Schuberts, Wolfgang Amadeus Mozarts und Felix Mendelssohn Bartholdys auf dem Programm. Unbestreitbarer Mittel- und Höhepunkt war dabei Mozarts Hornkonzert in Es-Dur mit dem 2000 geborenen Josef Nawrocki als Solisten. Der Schüler des St-Benno-Gymnasiums hat nicht nur mehrfach erfolgreich am Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« teilgenommen, sondern ist darüber hinaus auch schon in Konzerten zu erleben gewesen. (Ich kann mich an einen Auftritt in Dresden mit Nikolaus Branny am Klavier erinnern, bei dem beide nicht nur ihr Instrument beherrschten, sondern auch ein erstaunliches kammermusikalisches Verständnis bewiesen.) »Kunst« kommt eben weder von »wollen« noch von »Glück«, vielmehr sind Können, Auseinandersetzung und Fleiß wichtige Faktoren. All dies hat Josef Nawrocki offenbar reichlich aufgebracht, und so schien sein Vortrag frei von technischen Herausforderungen oder Bewältigungen. Im Gegenteil – vollkommen frei und gelöst war der junge Solist, konnte sich ganz dem Stück, der Musik hingeben. Sein Mozart-Vortrag war geprägt von einem seidigen, weichen Ton, einer unglaublichen Leichtigkeit, Mühelosigkeit und Eleganz, war ganz Ausdruck. Ob die Kadenz des ersten Satzes oder die virtuosen Passagen des dritten – das schienen keine Hürden zu sein. Bei so glänzenden Leistungen kann man eigentlich auf Zusätze wie »Schüler« oder die Angabe des Alters verzichten.

Dirigent Matthias Herbig hatte den Abend zuvor mit zwei Ouvertüren eingeleitet: einer der beiden im italienischen Stil von Franz Schubert (D-Dur) sowie Mozarts »La clemente di Tito«. Kleine Wackler noch zu Beginn wurden schnell geglättet, mehr und mehr wuchs das Orchester zusammen. Schon Schuberts Ouvertüre ist von vielen solistischen Partien geprägt, die sich in nahezu allen Bläsergruppen verketten. Spätestens mit Mozarts Opernouvertüre hatte das Haydn-Orchester seinen Fluß gefunden, sonnig und heiter – das war die passende Einleitung zum Horn-Konzert.

Das zweite große Werk des Abends war Felix Mendelssohn Bartholdys erste Sinfonie. Nach dem eher heiteren, gelösten ersten Teil des Konzertes ließ Matthias Herbig nun auch dunkles Pathos aufbegehren, doch auch hier – ganz Mendelssohn – mischten sich heitere, leichtfüßige Elfen unter die Musik. Melodisch und wogend erinnerte das Werk vor allem im ersten Satz an die wenig später entstandene Konzertouvertüre »Meeresstille und glückliche Fahrt«. Schön, wie sich die Streichergruppen die Themen übergaben und Mendelssohns Werk fortsponnen.

Bereits am 21. März können interessierte Laienmusiker mit dem Haydn-Orchester in einer offenen Probe musizieren, das nächste Konzert in der Dreikönigskirche wird im Oktober stattfinden.

9. März 2015, Wolfram Quellmalz

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