Drei unterschiedliche Klarinettenquintette

  1. Kammerkonzert der Dresdner Philharmonie auf Schloß Albrechtsberg

Die Klarinette, soweit sie nicht gut gespielt wird, kann »gemein« klingen. Vielleicht und wohl ist dies ein Grund, daß Komponisten wie Mozart, Brahms oder Weber vergleichsweise wenige Stücke für sie geschrieben haben. Bei allen dreien war dann auch die Bekanntschaft mit einem Klarinettenvirtuosen, also einem, der es kann, Auslöser für die jeweiligen Kompositionen. Doch beschränken sich die Kammerwerke für Klarinette und Streicher keineswegs auf diese überragende Trias – das sollte bei aller Verehrung nicht überhört werden. Isang Yun gehört zu jenen, die sich ebenfalls der Formation angenommen haben.

Das Carus Ensemble Dresden setzt sich aus Musikern der beiden Dresdner Spitzenorchester Philharmonie und Staatskapelle zusammen, doch selbst ohne dieses Wissen verwundert der Solocellist der Kapelle Simon Kalbhenn in dieser Runde nicht, denn gerade zu den Kammerabenden ist man in Dresden einen Austausch und Gäste gewohnt. (Schon am 25. März wird es das 5. Kammerkonzert der Staatskapelle geben, dann mit Musikern des Leipziger Gewandhauses und ebenfalls mit zwei Klarinettenquintetten: Webers op. 34 und Mozarts KV 581 – das nur vorweg.)

Der Freundschaft mit Heinrich Joseph Baermann verdanken wir Carl Maria von Webers Klarinettenquintett B-Dur. Es ist ganz auf einen brillanten Solisten zugeschnitten, den seine Streicherkollegen begleiten – man könnte es auch (ganz anders als später bei Brahms) als kammermusikalisch besetztes Konzert lesen, oder als Klarinettensolo mit Streichquartettbegleitung. Das Werk beginnt in Quartettformation, doch als es Zeit wird, ein Hauptthema vorzustellen, tritt sanft die Klarinette hinzu. Fabian Dirr gleitet zum Quartett, läßt den Ton seines Instrumentes anschwellen, und dann geht es richtig los: nein, weder Quartett, Quintett oder Konzert ist das, was das Carus Ensemble Dresden spielt, sondern eine kleine Oper! Eine dramatische Serenade mit der Klarinette als Sängerin, die neckend, schelmisch und einfühlsam betört.

Ganz anders dann Isang Yuns Quintett: Im zwanzigsten Jahrhundert entstanden und den asiatische Musiktraditionen verhaftet, zeichnet der Komponist vielfältige Stimmungsbilder. Oftmals ist es ein Solist, der Figuren spielt, während die anderen Musiker ihn begleiten. Obwohl mit vielen Stimmungswandeln versehen, ist das Quintett niemals aufgeregt, atonal oder schrill. Die Solopassagen sind auf alle Instrumente verteilt, dazu gibt es einen erzählerischen »Bogen«. Vor allem die Klarinette erinnert an Vogelstimmen, so ergibt sich beim interessierten Zuhörer oft der Eindruck eines klangmalerischen Spazierganges oder Tages mit Beginn und Ausklang. Das klingt einfacher, als es ist, denn Isang Yun hat den Spielern an Taktstrichen oder Metren wenig an die Hand gegeben. Das finden des Gleichklanges und Verlaufes hängt stark vom Einfühlungsvermögen ab (und von ausreichenden Proben), ein wenig helfen da wohl die Gruppierungen die sich aus den Violinen oder Viola und Violoncello herausbilden. Wolfgang Hentrich, Alexander Teichmann (Violinen), Andreas Kuhlmann (Viola), Simon Kalbhenn und Fabian Dirr hatten den »Puls« des Werkes gefunden, ein beruhigendes, erzählerisches Gleichmaß.

Johannes Brahms gehörte das letzte Wort – zu Recht! Sein Quintett h-Moll op. 115 kann, nicht nur der Aufführungsdauer nach, sondern auch im Klangbild, im »Gewebe«, dem Miteinander der Stimmen, als das größte angesehen werden. »So entsteht ein Werk in herbstlicher Schönheit« meinte Johannes Forner – auf Brahms‘ Leben bezogen – zur Entstehung des Quintetts. Im vom Frühling angehauchten Dresden erklang das dritte Werk des Abends in gleicher Besetzung, aber noch einmal gewandelt, motivisch dicht verwoben, als wären es nicht fünf Spieler, sondern einer, mit einem Kopf und fünf Händen, der fünf Stimmen zu einer verschmelzen läßt.

Nur schade, daß sich das Publikum nicht noch eine Zugabe erklatschte, vielleicht ein Menuett von Mozart? Na, dann eben am 25. März…

19. März 2015, Wolfram Quellmalz

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