Farbenreicher Duoabend

Letzter Kammerabend des Tonkünstlervereins in dieser Saison

Nur vier Musiker waren es diesmal, die den achten Kammerabend in der Semperoper gestalteten. Neben Astrid von Brück (Harfe), Annika Thiel (Violine) und Friedwart Christian Dittmann (Violoncello) von der Staatskapelle war Florian Mayer als Gast eingeladen. Der Dresdner Künstler ist von Abenden zwischen Unterhaltung und Klassik bekannt, von »Mayer trifft« ebenso wie als Mitglied des Dresdner Salonorchesters, aber auch mit um seine Violine arrangierten Programmen (»Mein Paganini«).

Zunächst konnte er den Kapellkollegen zuhören, denn vor der Pause stand als einziges Stück Zoltán Kodálys Duo für Violine und Violoncello op. 7 auf dem Programm. Nur auf dem Papier sah dies ungleichgewichtet aus (es folgten im zweiten Teil insgesamt sechs Werke in der Besetzung Violine und Harfe oder für Violine allein), doch erwies sich diese Ordnung als goldrichtig.

Kodálys Duo ist folkloristisch gefärbt, jedoch nicht volkstümlich, im Gegenteil werden die ursprünglichen Elemente kunstvoll verarbeitet und episodenhaft aneinandergereiht, dabei wechseln die Rollen von Erzähler und Begleiter beständig. Annika Thiel und Friedwart Christian Dittmann gaben dem Stück den herben Charme des Balkans, reicherten diesen aber viel Kunstfertigkeit und Virtuosität an. Kodály hatte – wie Bartók – nicht nur ungarische Volksweisen in seinen Studien untersucht, sondern weit über diese Region hinaus bis nach Nordafrika geschaut, Systeme der Tonalität erforscht und verwendet. Geradezu akrobatisch sind die Läufe, Sprünge und Wechsel seines Duos. Stark rhythmisch geprägt folgen sangliche Melodien und gezupfte, gerissene oder gestrichene Passagen in schnellem Wechsel. Annika Thiel und Friedwart Christian Dittmann beherrschten dieses Spiel so meisterhaft, erreichten eine so große gegenseitige Durchdringung und Verläßlichkeit, daß sie zwischen den Episoden nicht aufeinander warten mußten. Der eine begann schon, den Verlauf nicht unterbrechend, sein nächstes Solo, während der andere noch umblättern mußte. Musikalisch beieinander zu sein stand da trotzdem nie in Frage – fabelhaft! Dabei war ihr Spiel von größter Innigkeit und Ausdruckskraft. Der nach dem zweiten Satz aufkommende Applaus war denn auch nicht der Unwissenheit, sondern der Anerkennung und Begeisterung zuzuschreiben.

Nach der Pause ging es auf gleichem Niveau weiter, nun mit dem Duo von Brück / Mayer und Camille Saint-Saëns »Fantaisie für Violine und Harfe«. Capricenhaft, virtuos huschte das Stück über die Bühne. Astrid von Brück und Florian Mayer verliehen ihm aber auch den Charme französischer Salons mit vielen gesanglichen Momenten.

Dem Salon gemäß war auch das übrige Programm, das sich nun bunt mischte. Bearbeitungen dreier Préludes Dmitri Schostakowitschs, eine Habanera-Phantasie Maurice Ravels und drei Tangos Astor Piazzollas. Letztere waren allerdings allzu hübsch, da fehlte es an Feuer.

Von Florian Mayer vorgetragene Texte sorgten für einen musikalisch-literarischen Rahmen. Dazu hatte sein Vater Eckehard Mayer die Spontanität und Improvisation des Salons mit »Spielt!« in Noten gesetzt. »Spielt!« spielte mit den Formen des Abends: mit gesanglichen Elementen wie mit dem episodenhaften Verketten, aber auch an den Tango angelehnten Rhythmen. Die Salonatmosphäre stellten Astrid von Brück und Florian Mayer perfekt her, schmachtend und larmoyant sang die Violine. Selbst seine Improvisation war kein Solo, denn hier begleitete sich Mayer selbst mit der Stimme.

17. Juni 2015, Wolfram Quellmalz

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