Kunstfest Dresden erneut mit hochwertigen Gästen und interessantem Programm

Die Gegenüberstellung der Künste, die gegenseitige Anregung, gehört zum Konzept des Kunstfestes. Am Freitag spiegelte das Programm in der Hofkirche eine jener Anregung wider, die es schon früher gegeben hatte: Auf Giovanni Batista Pergolesis »Stabat Mater« folgte Johann Sebastian Bachs Vertonung des Psalmes 51, BWV 1083. Bei »Tilge, Höchster, meine Sünden« handelt es sich um eine Bearbeitung Pergolesis Komposition, das heißt eine Anwendung des sogenannten »Parodieverfahrens«. Dafür hat der unbekannte Textdichter eine Fassung des 51. Psalmes in Reimen erstellt. Für den Zuhörer sind die Werke weitestgehend gleich, Bachs Eingriffe beschränken sich scheinbar auf Details wie die Melodieführung der Solostimmen. Besonders stark kommt dies im abschließenden »Amen« zum Ausdruck, welches Bach viel optimistischer deutet, während Pergolesi auf den Kreuztod Jesu und die »dunkle Höhle« des Grabes bezogen bleibt. Das Paradies wird in seinem Text zwar abschließend benannt, die Erfüllung jedoch nicht ausgemalt. Doch sind dies sind nicht die einzigen Änderungen, welche Bach vorgenommen hat. Vor allem die Aufwertung der Violastimme wird – wenn auch auf meist subtile Weise in der Klangfärbung – stark wahrgenommen.

Für solch spezielles Programm braucht es Spezialisten. Das Ensemble Arcangelo zählt mit Sicherheit dazu. Auch wenn es in Dresden bisher wenig bekannt ist – es war der erste Besuch hier – so sprechen die bisherigen Projekte für die Musiker. In der Alten Musik zu Hause, haben sie mit Solisten wie Kristian Bezuidenhout, Isabelle Faust und Kristiane Karg zusammengearbeitet, mit Anna Prohaska nahmen sie barocke Arien auf, ihre Einspielung Mozarts Violinkonzerte mit Vilde Frang erhielt gerade einen Echo Klassik.

Für Pergolesi und Bach verwendete das Ensemble Arcangelo Darmsaiten und Barockbögen, war mit zwei Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabaß, Laute und Orgel aber verhältnismäßig klein besetzt. Keine Bläser – für Pracht sorgten allein die beiden Sänger Grace Davidson (Sopran) und Alex Potter (Alt), während die Instrumente stets einen samtweichen Untergrund bereiteten. Und das mit aller Feinheit – wie sich besonders bei Bachs kleinen »Verschiebungen« zeigte. Die Stimmen der Solisten waren unterschiedlich groß, so hätte Alex Potter mühelos den ganzen Raum füllen können, während bei Grace Davidson in den ersten Versen noch eine forcierte Schärfe auffiel. Doch schnell hatten sich beide aufeinander und auf den Raum eingestellt. Nur hin und wieder nutze Alex Potter die Strahlkraft seiner Stimme, meist blieben beide Sänger verhalten, der Stimmung der Werke angepaßt. Dabei sind beide – keine Muttersprachler – gut verständlich gewesen.

Die scheinbare Doppelung bereitete das Ensemble als zwei feine, sich naheliegende Werke. Beides Originale, verwandt zwar, aber keine Kopie.

12. September 2015, Wolfram Quellmalz

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