Fortbestand scheint gesichert

»Violine plus« bei den Meisterinterpreten in Dippoldiswalde

Seit Jahren veranstaltet der Musikverein Dippoldiswalde e. V. bzw. das Kulturzentrum Parksäle eine Konzertreihe, die regelmäßig zu Kammermusik- oder Liederabenden, Soiréen oder Klavierkonzerten einlädt (zur Zeit noch im Ausweichquartier der Stadtkirche Dippoldiswalde). Dresdner Musiker und Orchester wie die Kapellsolisten, das Philharmonische Kammerorchester sowie Professoren und Studenten der Hochschule unterstützen die Reihe seit Jahren, auswärtige Gäste kommen hinzu. In diesem, dem 37. Jahrgang, waren unter anderem Opernsänger Benjamin Bruns und das Minguet-Quartett zu Gast, Ende November folgt noch das Russische Nationalballett, zuvor geben am 30. Oktober Ute Selbig (Sopran) und Astrid von Brück (Harfenistin der Staatskapelle) einen besonderen Liederabend.

Solche Konzertreihen organisieren sich weder von allein noch nebenbei, sondern verlangen Einsatz sowie die notwendigen finanziellen Mittel. Die Stadt Dippoldiswalde und ihr Oberbürgermeister Jens Peter stehen hinter der Reihe, zur Aufwertung der Vereinskasse gab es am Sonntag ein Benefizkonzert. Und auch die Zukunft scheint gesichert: Helmut Branny, Leiter der Dresdner Kapellsolisten und bisher als Gastpartner dabei, wird die Organisation künftig übernehmen, will bewahren, aber auch mit neuen Ideen für Fortbestand und neues Publikum sorgen. Etwa durch kleine Vorprogramme mit Musikschülern – man darf also gespannt sein. Das Jahresprogramm für die kommende Saison soll im Dezember erscheinen.

Für diesmal hatte Annette Unger, Kapellsolisten-Kollegin und Professorin für Violine, drei ihrer Studentinnen mitgebracht. Nahwon Eunmi Lee, Jiwon Lim und Moe Nagashima gehören zu drei Studentengenerationen. Nahwon Eunmi Lee ist seit 2009 in Dresden, mittlerweile in der Meisterklasse, und hat beständig erste Preise gewonnen. Außerdem spielte sie schon als Gast bzw. Akademistin bei den Dresdner Orchestern, ist momentan Mitglied der Giuseppe-Sinopoli-Akademie der Sächsischen Staatskapelle. Technische Raffinesse hat sie schon vor Jahren bewiesen, in Dresden aber auch ihren Ton verfeinert, eine Balance zwischen Süffigkeit und Empfindsamkeit entwickelt – vor allem ihr Mozart (Violinkonzert D-Dur, KV 218) ist eine Ohrenweide.

Jiwon Lee folgt ihr seit 2014 nach, gewann gleich in diesem Jahr den Szymon-Goldberg-Award Meißen und ist derzeit Substitutin der Dresdner Philharmonie. Selbst große Violinisten gehen in Konzerten und bei Zugaben nicht immer volles Risiko. Jiwon Lee scheute sich nicht davor, Paganinis Caprice Nr. 1 und Ravels Konzertrhapsodie »Tzigane« zu spielen – da wurde einem auch beim Zuhören heiß! Auf publikumswirksame Virtuosität darf man sich aber nicht verlassen, wenn man die Sache – die Violine – ernst nimmt. Das bewies Jiwon Lee mit Johannes Brahms zweiter Violinsonate, die – wie so viele Brahms-Stücke – vom Sommer durchglüht scheint. Brahms gibt dem Solisten wenig Gelegenheit für »Capricen«, schwelgt lieber, auch gerne in der Viola-Lage und verlangt einen differenzierten, warmen Ton.

In diesem Jahr erst begonnen hat Moe Nagashima. Die Japanische Studentin spielte dem Publikum auch gleich mit Franz Waxmanns »Carmen-Phantasie« auf. Caprice, Tzigane und Carmen-Phantasie, dazu noch Nathan Milsteins »Paganiniana« (Lee) – das erlebt man nur in Konzerten mit Hochschulstudenten.

Immer an der Seite der Studentinnen war die Klavierpartnerin Dariya Hrynkiv. Sie übernahm als Korrepetitorin die Orchesterstimmen von Mozart ebenso gekonnt wie die einfühlsame Begleitung bei Brahms oder die virtuose bei Waxmann.

12. Oktober 2015, Wolfram Quellmalz

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