Alumnikonzert zum Auftakt der 17. Tschechisch-Deutschen Kulturtage

Im September schon begannen die Tschechisch-Deutschen Kulturtage mit Vernissagen, Workshops, Kino. Diese als »Prolog« bezeichnete Zeit ging am 28. Oktober zu Ende. Mit dem Alumnikonzert in der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden wurde in die »Festivalkernzeit« übergeleitet. Zu Gast war ein tschechisches Klaviertrio, dem zwei ehemalige Studentinnen Dresdens angehörten: Eva Jamníková und Hana Vlasáková haben beide hier studiert. Eva Jamníková gehörte zur Violinklasse Ivan Ženatýs und wurde von der Brücke/Most-Stiftung sowie dem DAAD Bonn unterstützt. Mittlerweile spielt sie als stellvertretende Konzertmeisterin in der Neubrandenburger Philharmonie. Eine Förderung der Brücke/Most-Stiftung und des DAAD Bonn erhielt auch Hana Vlasáková, die nach dem Klavierstudium und Meisterklassestudium bei Arkadi Zenzipér in Dresden blieb. Heute unterrichtet sie selbst an der Musikhochschule und dem Landesgymnasium für Musik. Dritter im Bunde war Tomáš Jamnik, der seine Studien in Prag und Leipzig absolvierte. Er leitet derzeit als künstlerischer Direktor die von ihm gegründete Tschechische Kammermusik-Akademie.

Nach Dresden hatten die drei Musiker zwei Werke Antonín Dvořáks und Bedřich Smetanas gebracht: das berühmte »Dumky« sowie Smetanas Trio op. 15. Diesen Werken Leben einzuhauchen, trat hier in den Vordergrund, wobei die Lebendigkeit auch einmal (wohltuend) zugunsten steriler Präzision hervorgehoben wurde.

Dvořáks Trio ist keineswegs »klassisch« in Stil und Aufbau. Vielmehr hat der Böhme die klassischen Formelemente mit folkloristischen gemischt, den Duktus der Dumka nachgespürt und aufgenommen und in sechs episodenhaften Sätzen zusammengefügt. Gleich zu Beginn fanden Eva Jamníková, Tomáš Jamnik und Hana Vlasáková zu einem intensiven, spannungsgeladenen Spiel, übertrugen diesen Impuls aber auch auf die langsameren Sätze, welche von großer Dichte waren. Aus lyrischen Gesängen und Zigeunerweisen formten sie »Szenen auf dem Lande«, ein munteres Treiben. Schön, daß diese Spannung bis zum Schluß hielt, als im letzten Satz noch einmal Innehalten und Verzögerung den Verlauf bremsten, bevor Dvořák das erwartete Finale doch gewährt.

Bedřich Smetanas g-Moll-Trio ist im Vergleich durchaus »klassischer«, aber auch ihm haftet ein schwermütiger, dunkler und lyrischer Ton an. Smetana verarbeitet darin den Tod seines geliebten Kindes Bedřiška, mischt den Scherzo-Anklängen Klage bei und fügt dem Finale einen Totentanz hinzu. Auch hier stand die Intensität der Interpretation im Vordergrund, ein paar Unreinheiten schlichen sich dabei aber ein. Dafür gelang anderes, wenn Tomáš Jamnik zum Beispiel dem Pizzicato der Violine mit maßvollen Bogenstrichen und sanft angeschlagenen Saiten sein Cello summen ließ, wenn Eva Jamníková fein und zart in der schwelgerischen Übermacht einen Liedgesang anstimmt oder wenn im dritten Satz vor der abschließenden Coda im Übergang noch das Nachschwingen des Cellos im Raum schwebte. Hana Vlasáková konnte ebenso leichtfingrig für Belebung sorgen wie die Stimmung abdunkeln.

Mit den beiden Trios Beschworen die »Alumni« Lebendigkeit, wofür sich das Publikum begeistern ließ. Das Trio bedankte sich noch einmal mit Antonín Dvořák, Nr. 7 aus seiner Humoreske. Ursprünglich für Klavier komponiert, haben viele Arrangeure sie bearbeitet. Fritz Kreisler für die Violine, selbst die Comedian Harmonists sangen einst dazu »Eine kleine Frühlingsweise«, aber auch als Klaviertrio ließ sie keinen Schwung vermissen.

29. Oktober 2015, Wolfram Quellmalz

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