Noch ein Jubiläum: 100 Jahre Sinfoniechor Dresden

Festkonzert in der Lukaskirche

Der aus Innsbruck stammende Karl Maria Pembauer war Organist, Komponist und Dirigent. Nach seinem Studium in München (hier war er einer der letzten Studenten Josef Gabriel Rheinbergers) wurde er 1900 nach Dresden berufen, war Organist der Hofoper, leitete die Liedertafel und die Schumannsche Liedertafel, verhalf den Kapellknaben zu hohem Ansehen. Neben anderen Tätigkeiten (Pembauer komponierte auch) galt sein wesentliches Augenmerk der Arbeit mit Chören, so lag vor allem in der Funktion des Chordirektors der Dresdner Hofoper, ein Amt, welches damals noch mit dem Dienst an der Hofkirche verbunden war. Hier, an der Oper, arbeitete er eng mit Ernst von Schuch zusammen, 1908 wurde ihm der Titel eines Musikdirektors verliehen.

Vor einhundert Jahren gründete Karl Maria Pembauer den Sinfoniechor Dresden, ein aus ehrenamtlichen Mitgliedern bestehendes Ensemble, welches den (hauptberuflichen) Opernchor unterstützen sollte, wenn große Opern oder Konzerte dies erforderten. Dieser Funktion wird der Sinfoniechor als Extrachor der Semperoper auch heute noch gerecht, vor allem in Wagner- oder Verdi-Opern, mittlerweile gibt es aber auch Opernprojekte, in denen er als eigentlicher und hauptsächlicher Chor eingesetzt wird, wie Henry Purcells »King Arthur« oder Dmitri Schostakowitschs »Moskau, Tscherjomuschki«.

Sein einhundertjähriges Bestehen feierte der Sinfoniechor Dresden am Sonntag in der Lukaskirche mit Felix Mendelssohn Bartholdys »Lobgesang«. Christiane Büttig hatte ihn einmal mehr vorbereitet, die Staatskapelle Halle begleitete, die Leitung des Konzertes hatte Jörn Hinnerk Andresen, der neue Chordirektor der Semperoper und damit Nachfolger Karl Maria Pembauers, übernommen. Das Solistentrio erwies sich als Glücksfall, und das, obwohl Ute Selbig krankheitsbedingt kurzfristig absagen mußte. Erst Sonntagmorgen hatte Jennifer Riedel (sie war als Renée Pachulke auch in Peter Ronnefelds herrlicher »Nachtausgabe« an Semper2 zu erleben) ihre Partie übernommen, ohne daß dies zu hörbaren Einschränkungen geführt hätte. Im Gegenteil war gerade das Duett mit der Sopranistenkollegin Barbara Senator wunderbar ausgeglichen, wie in »Ich harrete dem Herrn…«. Während Jennifer Riedels Sopran klar und hell erklang, erschien jener Barbara Senators etwas dunkler und voller, beide waren aber auf einem Niveau. Nach der Begleitung durch ein Hornsolo am Anfang stimmt schließlich der Chor mit ein. Dieser überzeugte sowohl hinsichtlich der Gestaltung als auch der Textverständlichkeit. Gerade letzteres ist bei einem Werk, das Elemente einer Kantate bzw. eines Oratoriums aufweist, essentiell. Aber auch der Tenor Steve Davislim war eine hervorragende Besetzung, die Geschmeidigkeit der Stimme betreffend ebenso wie in der Textdeutung.

Als Reise durch die Dunkelheit ins Licht wird Mendelssohns Werk oft beschrieben, jedoch beginnt es bereits hell und strahlend »Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!« Die Dunkelheit wird im erzählenden Rückblick geschildert (Arioso und Rezitativ »Stricke des Todes…« des Tenors in der Mitte des Werkes), den Steve Davislim eindrucksvoll gestaltete. Der »Lobgesang« setzt also ein, wenn die Finsternis bereits überwunden ist. Der Sinfoniechor und die Staatskapelle Halle sowie Jobst Schneiderat (Orgel) verliehen dem Werk jene jubelnde Strahlkraft, der »aufputschen« kann, doch auf eine übermäßige Suggestion verzichtete Jörn Hinnerk Andresen. Mit ausgeprägten Pausen und einer Zurücknahme an Expressivität sorgte der den Schluß einleitende Choral »Nun danket alle Gott« für Besinnung, deutete der Chor differenziert Worte aus. Aber auch die Ausgeglichenheit der Stimmen (gerade in Chören aus nichtberuflichen Sängern erscheinen die Frauenstimme trotz gleicher Besetzungszahlen oft leicht »übergewichtig«) zeugte von der Qualität des Chores und der Vorbereitung.

26. Oktober 2015, Wolfram Quellmalz

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