Zehn Jahre Leben in der Frauenkirche

Festkonzert mit deutscher Erstaufführung

Die Dresdner Frauenkirche ist ein weltweit wahrgenommenes Symbol für Frieden und Wiederaufbau. In ihren Programmen vereinen sich Glauben, Musik und Literatur mit diesem Friedensgedanken. In den Programmen der Musikfestspiele setzt Jan Vogler wiederum auf die ebenfalls weltweite Strahlkraft der Kulturstadt, auf Weltoffenheit, das Zusammentreffen von Künstlern, Musikliebhabern. In einem Festkonzert zum zehnjährigen Bestehen der wiederaufgebauten Frauenkirche trafen diese Gedanken am Sonnabend zusammen.

Jan Vogler und Wolfgang Rihm kennen sich seit vielen Jahren. Nach dem Aufenthalt des Komponisten beim Moritzburg Festival vor zwei Jahren wurde der lange bestehende Wunsch, daß er ein Konzert für Jan Vogler und dessen Frau Mira Wang schriebe, umgesetzt. Gemeinsam mit dem Orpheus Chamber Orchestra wurde das »Duo Concerto« am 15. Oktober in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführt, jetzt gastierten das Orchester und die Solisten in der Frauenkirche. Auch Komponist Wolfgang Rihm war mit dabei.

Das Konzert begann jedoch mit Felix Mendelssohns Ouvertüre »Ein Sommernachtstraum«. Mit dem Raum schien das Orchester gut vertraut, denn in Tempi und Gewichtung wurde es den Werken wie dem Aufführungsort gerecht, ließ Mendelssohns Elfen, aber auch ein paar Kobolde tollen.

Zu Einstimmung und als vorweggenommenes Extra gab es Camille Saint-Saëns‘ »La Muse es le Poète«, schon dies ein konzertantes Duo für die beiden Solisten des Abends. Es ist ein Liebesduett von Violine und Violoncello, aber auch Harfe und Flöten stimmen mit ein. Violine und Violoncello fallen sich dabei nicht ins Wort (bzw. den Ton), lassen einander ausreden, erörtern und argumentieren, bevor sie am Ende in ein gemeinsames Schwelgen fallen. Jan Vogler und Mira Wang zeichneten das Duett mit weichen, zarten Klangfarben, die sich gerade über das Orchester erhoben, dieses aber nicht zu übertrumpfen suchten.

Von ganz anderem Charakter dann Wolfgang Rihms Auftragswerk für diesen Anlaß. Vielgestaltig finden sich zahlreiche Duette in seinem Konzert, vornehmlich zwischen den Solisten, die aber auch mit anderen Orchesterinstrumenten korrespondieren. Kleinteilig und jagend ist das Stück über lange Strecken, bietet viele »Einstiegsmöglichkeiten« für das Ohr, mäandert aber zuweilen auch ein wenig. Insgesamt einteilig, sucht man deshalb den langen Spannungsbogen. Jan Vogler und Mira Wang spielten mit Verve, schlugen nun auch raue, expressive Töne an. Immer wieder auch sorgen große Tonsprünge für Kontraste. Zwei Einschnitte gibt es, wenn Tempo, Lautstärke und Stimmen sinken, dabei irritierte das dumpf pochende Schlagwerk, da es sich zunächst nicht klar dem Stück zugeordnen ließ. Es klang ein wenig, als schlüge jemand außen gegen die Tür und begehrte Einlaß – allerdings kann dieser Eindruck bei weiteren Aufführungen sicher korrigiert oder »geschärft« werden.

Konzertmeister Ronnie Bauch leitete das Orpheus Chamber Orchestra vom ersten Pult aus, gestaltete die Stücke sehr durchhörbar, auch verfügt das Orchester über feine Bläser. Kleine Intonationsschwächen bei einzelnen Einsätzen oder die Gewichtung zwischen Streichern und Bläsern zu Beginn Robert Schumanns abschließender zweiter Sinfonie hätten sich mit einem Dirigenten aber besser ausgleichen lassen. Insgesamt überwogen jedoch die Feinheit der Stimmen und die Wahl der Tempi, welche eine Entfaltung der Werke im Raum erlaubten.

Als Zugabe erklang das Scherzo aus Mendelssohns Oktett op. 20 in einer Bearbeitung für Orchester – eigentlich ein Stück für das Moritzburg Festival, war wohl auch ein Gruß dahin und an Jan Vogler.

25. Oktober 2015, Wolfram Quellmalz

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