Mozart im Palais

Dresdner Kapellsolisten und Peter Rösel

Vor fünfzehn Jahren wurde der Förderverein Palais Großer Garten e. V. gegründet und hilft seit dem, einen der schönsten Konzert- und Veranstaltungsorte der Stadt zu erhalten. Mit den Dresdner Kapellsolisten und dem Pianisten Peter Rösel, der in diesem Jahr selbst ein Jubiläum begehen konnte (seinen 70. Geburtstag im Februar) feierte man am Sonnabend diesen Gründungstag.

Während uns heute eine Sinfonie im Konzert meist als das Hauptwerk begegnet, war dies zu Mozarts Zeiten noch anders. Oft erklangen kleine »Sinfonietten« eingangs von Opern- oder Kirchenmusikwerken, mit Mozart und Haydn begann die Gattung aber in die heute bekannte Form zu wachsen. Für das Konzert im Palais im Großen Garten hatte Leiter Helmut Branny das gut Mozarts KV 201 – wie damals üblich – an den Beginn gesetzt. Darin zeigt sich der junge Mozart nach einem Wien-Aufenthalt und wohl unter dem Eindruck der Werke Haydns subtiler, reicher, und dennoch von unerhörter Leichtigkeit. Während von draußen noch die Herbstsonne in den Raum flutete, ließen drinnen die Kapellsolisten den freien Geist und beinahe noch Serenadencharakter des Stückes frei.

Die zwei Klavierkonzerte d-Moll (466) und C-Dur (KV467) kennzeichnen einen Höhepunkt der Wiener Klassik, auch hier zeigte sich Mozart (elf Jahre nach KV201) gereifter, sinfonischer. So ist sein d-Moll-Konzert weit entfernt von elegischer Trägheit oder melancholischer Blässe, die Kapellsolisten und Peter Rösel verzauberten mit geheimnisvoll dräuenden Bässen und lyrischen Ausformungen. Daß ein Pianist vom Rang eines Peter Rösel nach wie vor über eine lupenreine Anschlagskultur verfügt, über effektfreie Noblesse, befreit die Musik von tändlerischer Virtuosität. Perlende Läufe begeistern durch das, was sie in Musik vermitteln und nicht wegen über Tasten rasender Finger!

Aber auch die Kombination Rösel / Kapellsolisten erwies sich einmal mehr als erfahren und ausgewogen. Dies kam nicht nur im Maß und in den Einsätzen zum Ausdruck, im Hin- und Her des Klaviers mit den Orchestersolisten, sondern selbst in der Übereinstimmung und Harmonie von linker Hand und den begleitenden Bässen.

Auch wenn die verknappte Formel Moll = tragisch und Dur = heiter bei Mozart ins Leere läuft, ist das C-Dur-Konzert dennoch lebhafter, verspielter. Doch auch wenn es geschwind wurde, ließen sich Solist und Orchester Zeit, ohne Hast jene Bögen zu entwickeln, die nicht auf einen Knalleffekt hinlaufen, sondern nach Aussage und Struktur streben. Zu einer persönlichen, subtilen und gestalterisch ausgeformten Interpretation gehört aber auch die Auswahl der Kadenzen, und auch hier bewies Peter Rösel Maß, schuf musikalische Spannung.

Mozarts Andante aus KV 467 gehört zu den betörendsten Stücken des Komponisten. Es ist »Mondscheinsonate« (mit singender Oboe), scheint aber auch bereits den flinken Spuk von Mendelssohns Elfen zu enthalten. Als Wiederholung war es eine passende Zugabe.

1. November 2015, Wolfram Quellmalz

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