Ausgewählt seltene Klänge in der Diakonissenhauskirche Dresden

Der Abend war eigentlich mit einem Sinfoniekonzert der Musikschüler und -studenten bereits ausgefüllt, doch das begann schon 18:00 Uhr (Rezension folgt auf dieser Seite zwei Tage nach Veröffentlichung in den Dresdner Neuesten Nachrichten) – sollte man da noch ein zweites Konzert »anhängen«? Auch, wenn dieses bereits begonnen hätte? Ja, man sollte! Hans Leo Haßlers 31 Variationen »Ich gieng einmal spatieren« kennt man praktisch nicht oder nur dem Papier nach. Im Konzert? Fehlanzeige! Der Schüler Giovanni Gabrielis hat jedoch ein Werk geschaffen, das höchst hörenswert ist und als eines seiner herausragendsten gilt. Ganz anders als den im Gegensatz dazu streng architektonisch scheinenden »Goldberg-Variationen« Johann Sebastian Bachs sind Haßlers Variationen nicht voneinander getrennt, sondern gehen ineinander über. So ergibt sich ein perlender Fluß, der in Nr. 24 mit einem Liedzitat seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht, um sich gleich darauf noch einmal zu steigern und schließlich in schäumenden Sechzehnteln der letzten Variationen brillant abzuschließen.

Jan Katzschke, Organist und Cembalist, hat am vergangenen Sonnabend dieses Feuerwerk »abgebrannt«, Haßlers Genialität vorgeführt. Alte Musik ohne Staub sozusagen, was der Kirchenraum und ein prächtiges Cembalo noch förderten.

Und auch im zweiten Teil gab es selten gehörtes: Johannes Brahms hatte sich eigentlich schon zurückgezogen, hielt sein kompositorisches Werk selbst für beendet, doch dann kam es – mit ein paar neuen Freundschaften – zu einer nochmaligen Blüte und einem Spätwerk. Seine Opus 117 bis 121, Klavierstücke, Klarinettensonaten, die »Vier ernsten Gesänge«, sind bedeutende, oft gespielte Werke. Pianisten wählen seine »Intermezzi« gerne für Zugaben, doch was ist mit Opus 122, seinem Abschlußwerk? Die elf Choralvorspiele gab es in der zweiten Konzerthälfte zu hören, wobei – wie schon bei Haßler – der Programmzettel dankenswerterweise auch die Texte der Ballade (Haßler) bzw. der Choräle enthielt.

So konnten sich die Besucher dem hingeben, wonach sie bedurften: dem Nachsinnen und Bedenken von Gedanken und Worten oder schlicht dem Musikgenuß am Ende der Woche.

8. November 2015, Wolfram Quellmalz

Nächste Veranstaltungen: http://www.diako-dresden.de/mutterhaus/kirchenmusik/

15. bis 17. Januar 2016: Orgelwinter

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