Hauskonzert mit Hausgöttern

Sonderkonzert zum 70. Geburtstag Rudolf Buchbinders mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden

Daß Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Maria von Weber in Dresden und an der Semperoper nicht nur historisch bedeutende Persönlichkeiten sind, die als Büste oder Schriftzug in Foyer und Saal prangen, bewiesen die Staatskapelle und ihr Ehrengast Rudolf Buchbinder in einem Sonderkonzert in der Semperoper. Die Sonntagsmatinée war gleichzeitig Auftakt zu einer Tournee durch Österreich und Deutschland.

Mit Mozart kehrte der in Wien lebende Pianist Rudolf Buchbinder ein weiteres Mal nach Dresden zurück, wo er schon viele Werke der Wiener Klassik gespielt und diese auch oft gleichzeitig dirigiert hat – bei Staatskapelle und Philharmonie gleichermaßen. Zum Geburtstag gedacht, war es ein Sonderkonzert, welches auch im Programmablauf von der bekannten Form abwich. Denn auf eine Sinfonie oder eine Ouvertüre verzichtete man ganz, dafür gab es gleich drei Konzertstücke für Klavier und Orchester: Mozarts Werke B-Dur (KV 595) und C-Dur (KV 467) sowie Carl Maria von Webers Konzertstück op. 79.

In fast kammermusikalischer Besetzung spielte die Staatskapelle, begann Mozarts B-Dur-Konzert in hellen, freundlichen Farben. Schon hier spielten die Musiker mit den Schattierungen – die Bläsereinwürfe, oft als Gegensatz zu den Streichern betont, erhoben sich mit schlichter Eleganz über den Streicherklang. In beidem – dem goldenen Schimmer der Streicher und den sich darüber erhebenden Rufen der Bläser – beschwor und belebte das Orchester seine prägenden Qualitäten, verschmolz damit aber geradezu symbiotisch mit dem Klavier, welches durch Rudolf Buchbinders kultivierten Anschlag jenen Schimmer gleichermaßen ausstrahlte. Und so setzte sich fort, was die Einleitung versprochen hatte – nicht durch Gegensätze geschärfte Kontraste, sondern ein inniges Miteinander mit gleitenden Übergängen kultivierte Farben – das kam dem Charakter einer Mozartischen Akademie, beinahe einem »Hauskonzert«, nahe. Daß auch ohne »Schärfe« keine Fadheit aufkam, dafür sorgten vor allem die Holzbläser. Aber auch das ganze Orchester, wie in der Repetition des Themas im ersten Satz. Es bescherte Mozarts Musik nicht nur einen hellen Charakter, sondern sorgte für federnde Leichtigkeit, besonders im zweiten Satz von KV 595.

Carl Maria von Webers Konzertstück fügte sich hier hervorragend ein. Einerseits, weil Weber ihm etwas von Mozartischem Atem gegeben hat und sich an das Menuett im »Figaro« annähert, andererseits, weil die symbiotische Partnerschaft auch hier weiter gedieh. Natürlich bietet Weber aber auch noch mehr als Mozart Gelegenheit, Virtuosität blitzen zu lassen, ganze Perlenketten aus dem Klavier glitzern zu lassen.

Mit Wolfgang Amadeus Mozarts C-Dur-Konzert, das die beiden Partner zuletzt in der Gläsernen Manufaktur gespielt hatten, änderte sich der Charakter noch einmal, tauschten die Musiker nun spritzige Virtuosität wieder gegen ein Lächeln. Von allzu leichter Heiterkeit war man dennoch weit entfernt. So verschmolzen der Solist und seine Begleiter ein weiteres Mal – ihre kammermusikalischen Intensität förderte immer wieder Stimmen und Beziehungen, Passagen und Übergänge zutage, die sonst – gerade bei der heute aktuellen (»zeitgeistigen«) »Geschwind-Mode« – ebenso leicht überhört werden könnten. Rudolf Buchbinder zeigte sich als erfahrener, unaufdringlicher Leiter, das ganze Konzert zeugte von der inneren Verbundenheit der Musiker. In seinen Kadenzen (nun die eigenen) umspielte der Pianist die Themen, machte kleine »Ausflüge« – auch hier voller Gediegenheit, arpeggierte in der Coda dann Akkorde zu kleinen Schluchzern. Doch auch die Kapelle glänzte gerade mit den kleinen, nicht exponierten Passagen, singendem Solofagott, aber auch, als in Mozarts drittem Satz plötzlich die Hörner forcierten.

Derart angeregt, ließ das Matinée-Publikum seiner Begeisterung freien Lauf, es hatte schon zur Pause mit Füßetrampeln seine enthusiastische Zustimmung kundgetan.

10. Januar 2016, Wolfram Quellmalz

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