Junge Meister der Klassik

Maki Ishida zu Gast im Pianosalon des Coselpalais Dresden

Etwa einmal im Monat präsentieren die »Jungen Meister der Klassik« jeweils junge Nachwuchspianisten. Allesamt haben sie ihr Rüstzeug bereits erworben, ihr Studium abgeschlossen (oder stehen kurz davor), erfolgreich an Wettbewerben teilgenommen und stehen am Beginn ihrer Kariere. Noch sind viele von ihnen der großen Öffentlichkeit nicht bekannt, doch aufmerksame Beobachter kennen sie schon, zum Beispiel jene, die bereits in Dresden Station gemacht haben, wie Maki Ishida, die an ein Studium in Japan ein Meisterstudium bei Prof. Winfried Apel an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber anschloß. Am Freitag präsentierte sie ihrem Publikum ein Programm mit Werken Johannes Brahms‘, Maurice Ravels und Robert Schumanns. Ganz allgemein traf also Romantik auf Impressionismus, doch ist Brahms‘ Klavierstücken op. 119., Ravels »Miroirs« und Schumanns »Kreisleriana« gemein, daß sie von den Klangfarben leben, gleichermaßen Stimmungen und bildhaft gestaltete kleine Szenen beinhalten.

Trotz der scheinbaren Beschränkung des musikalischen Spektrums verlangen gerade solche Stücke eine große gestalterische Reife, allein Schumanns subtile Schattierungen erfordern langes Suchen. Maki Ishida zeigte sich auf dem Rönisch-Flügel technisch versiert, artikulierte sauber und rein, und auch wenn – gerade bei Schumann – noch nicht jede Auslegung große Reife und Tiefe zeigte, so scheint die Pianistin auf dem richtigen Wege zu sein.

Brahms‘ ersten beiden Stücken gab sie vor allem viel Gleichmaß, hier hätten die Intermezzi noch mehr Mut und Artikulation vertragen, doch mit dem dritten Grazioso e giocoso war Maki Ishida ordentlich in Fahrt gekommen, gab ihm deutlich mehr federnde Leichtigkeit und Lebenslust, um die abschließende Rhapsodie mit Furor und wörtlich verstandenem Allegro risoluto erklingen zu lassen.

Am stärksten, am farbenprächtigsten ausgelotet, waren sicherlich Maurice Ravels »Miroirs«. Zwar schlugen die »Nachtfalter« des ersten Stückes noch recht kraftvoll mit den Flügeln, aber mit den »traurigen Vögel« und die »Barke auf dem Ozean« bewies Maki Ishida viel gestalterischen Mutwillen. So schaukelte das kleine Boot auf großen Wogen, wozu sich kleine Wellen silbrig am Buch zu brechen schienen. Und der darauf folgende Narr wollte mit seinem »Morgenlied« die Frühaufsteher (oder waren es die heimkehrenden Nachtschwärmer?) offenbar derb und ordentlich zu verspotten. Daß Maki Ishida nicht nur mit kräftigen Farben zu »malen« versteh, zeigte sie im abschließenden »Tal der Glocken«, dem sie viel Bedachtsamkeit verlieh.

Die Konzerthälfte nach der Pause gehörte schließlich Robert Schumann. Hier geriet Maki Ishidas sauberer Anschlag manches Mal sehr hart, was gerade die erforderliche Innigkeit vermissen ließ. Mit ihrem flinken Spiel und impulsiver Heftigkeit gestaltete sie dagegen das dritte Stück im Sinne von Schumanns Anweisung »sehr aufgeregt«. Und auch jetzt fand Maki Ishida sachte Farben, wie im vierten Stück (»sehr langsam«), das sie als kleine Träumerei gestaltete – jene aus den »Kinderszenen« gab es als Zugabe für das energisch mehr fordernde Publikum.

27. Februar 2016, Wolfram Quellmalz

Nächstes Konzert der Jungen Meister der Klassik: Andrej Kasik (Wien) spielt am 18. März Werke von Ludwig van Beethoven und Sergej Rachmaninow.

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s