Endspurt im Orgelspendenmarathon

Benefizkonzert der Kapellsolisten

Daß die Musiker aus Staatskapelle und Philharmonie nicht Mitglieder zweier verfeindeter Lager sind, haben sie schon oft bewiesen. In den Kammerkonzertreihen der beiden Orchester zum Beispiel oder durch gemeinsames Musizieren. Zu den Dresdner Kapellsolisten gehören neben vielen Mitgliedern der Staatskapelle auch solche des städtischen Orchesters. Der gemeinsame Gedanke galt diesmal dem neuen Konzertsaal des Kulturpalastes. Denn anders als im Fall der Elbphilharmonie oder der Philharmonie de Paris war hier zunächst keine Orgel vorgesehen. Der Förderverein der Dresdner Philharmonie sprang deshalb ein, diese Lücke zu schließen. Und er hat sein Ziel erreicht, eine Million Euro zu sammeln, was Voraussetzung war für den Zuschuß der Stadt Dresden (300.000 Euro). Im kommenden Jahr also wird das Instrument der Firma Eule Orgelbau Bautzen erklingen.

Als eine der letzten Aktionen im Spendenmarathon fand am Freitagabend ein Konzert der Dresdner Kapellsolisten in der Kreuzkirche statt. Das bunte Programm mit Musik des 17. und 18. Jahrhunderts enthielt Suiten, Konzerte und eine Sinfonia, wobei zum »bunten« auch die Soloinstrumente beitrugen (Trompete, Fagott, Hörner, Violine) – viel »Wind« also, viele Stimmen, gerade so, wie man es von einer Orgel erwartet.

Und die Kapellsolisten zeigten sich unter der Leitung Helmut Brannys wieder einmal wandelbar, registrierten fleißig um, sorgten für manche Überraschung. Gleich zu Beginn schöpften sie mit Werken Giuseppe Torellis, Johann Gottlieb Grauns und Georg Philipp Telemann aus dem Reichtum der Barockmusik, brachten allerlei Reizvolles zum Vorschein. Während die Trompete (Mathias Schmutzler) in Torellis »Sinfonia D-Dur« bzw. die Hörner (Harald Heim, Klaus Geyer) in Telemanns Konzert Es-Dur meist durch eine Orchesterstimme begleitet wurden, folgte Grauns C-Dur-Konzert dem wechselweisen Concerto-Grosso-Stil, wobei der Fagottstimme ein Basso continuo beigefügt ist. Während Torelli mit hellem Jubel vereinnahmt, betörte Grauns charmanter Witz mit waghalsigen Tonsprüngen. Telemann wiederum überraschte mit der Fülle an Ideen und einem düster-melancholischen Grave.

Nach den der Orgel besonders nahestehenden Blasinstrumenten folgten Vivaldis »Frühling« und »Sommer« sowie – zwischen diesen beiden Konzerten – Telemanns Don-Quichotte-Suite. Hier wußten die Kapellsolisten (ein bezauberndes Violinsolo: Susanne Branny) auch das bekannte lebhaft zu gestalten, farbige Akzente zu setzen oder Höreindrücke zu verstärken, wie im Largo des »Frühlings« durch eine Echobratsche hinter dem Orchester.

So formulierte der Abend neben dem guten Zweck auch ganz musikalisch den Beginn des Sommerhalbjahres, die »Kennzeichnung« durch Vivaldis programmatischen Titel war da im Grunde nebensächlich. Als Zugabe erklang Johann Sebastian Bach »Air« aus der Orchestersuite D-Dur. Die gibt es auch in einer Orgelbearbeitung.

2. April 2016, Wolfram Quellmalz

Tip: Wer das Orgelprojekt noch unterstützen möchte, kann dies tun und zum Beispiel eine Orgelpfeifenpatenschaft übernehmen. Weitere Informationen unter: http://www.dresdnerphilharmonie.de/foerderverein/orgel

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