Mattes Bild in goldenem Rahmen

Stuttgarter Kammerorchester in der Dresdner Frauenkirche

Gleich zwei Solisten hatten sich die Stuttgarter eingeladen: Gábor Boldoczki (Trompete) und Katarzyna Myćka (Marimbaphon). Mit drei besonderen Werken sollten sich diese beiden Gäste in Szene setzen. Neben zwei zeitgenössischen Konzerten des Franzosen Emmanuel Séjourné und der Polin Anna Ignatowicz-Glińska gab es die Bearbeitung eines Bach-Konzertes zu hören. Darüber hinaus steuerte das Kammerorchester noch zwei Serenaden bei. Doch ausgerechnet die solistischen Werke hinterließen einen zwiespältigen Eindruck.

Emmanuel Séjournés Konzert für Marimba, Streicher und Basso continuo läßt nach einer elegischen Streichereinleitung zunächst die Klangwelt der Marimba allein erklingen, um im weiteren Verlauf beide dichter zu verweben. Eine wirkliche Synthese gelang ihm dabei jedoch nicht, nicht zuletzt liegen die leicht dumpfe Marimba und die hellen Streicher akustisch in anderen »Fenstern«. Einzelne Soli der Streicher fielen im ersten Satz auf, der sonst eher unbestimmt blieb. Prägnanter und wechselhafter gestaltete sich der zweite, für den der Komponist teilweise deutlich perkussiv klingende Streicher vorgesehen hat. Dennoch erschloß sich das Stück – zumindest beim erstmaligen hören – nicht, auch klang die Basso-continuo-Begleitung mitunter monoton.

Ganz ähnliche Differenzen waren im Konzert Anna Ignatowicz-Glińskas zu spüren. Zwar schafft sie durch die beiden Soloinstrumente ein Mehr an Abwechslung und läßt das Marimbaphon nicht einfach durch die Trompete (welche das könnte) »verblasen«, sondern hält letztere zurück, doch auch hier gelang eine wirkliche Synthese nicht. Vielleicht hat doch die Suche nach etwas anderem Pate gestanden? Dies führt noch nicht zwangsläufig zu schlüssigen Ideen, obwohl Anna Ignatowicz-Glińska durch Zitate bzw. Anklänge, die zum Beispiel an den »O-Fortuna«-Chor aus Carmina Burana erinnern, deutlich mehr Akzente schafft.

Zwischen diesen beiden modernen Werken spielte Gábor Boldoczki Johann Sebastian Bachs Konzert A-Dur BWV 1055. Dessen Herkunft ist letztendlich nicht vollständig geklärt: Den meisten als Cembalokonzert bekannt, wurde eine vermutete Fassung für Oboe d’amore rekonstruiert, nun spielte es Gábor Boldoczki auf einer kleinen Barocktrompete und tat dies mit bemerkenswerter Zurückhaltung. Dennoch drängte sich auch hier das Attribut »merkwürdig« auf (was negativ wie positiv gedeutet werden kann), denn die Klänge standen nicht nur den Gewohnheiten entgegen.

So konnten die drei Solistenkonzerte letztlich nicht überzeugen und herausragen, obwohl die Leistung der Spieler dies eigentlich erlaubt hätte (allein schon weil Gábor Boldoczki das Bach-Konzert so meisterlich und fehlerlos spielte).

Ohne Zweifel überragend war das Stuttgarter Kammerorchester unter Matthias Foremny – auch eines der Ensemble, die oft in die Frauenkirche kommen. Schon Wolfgang Amadeus Mozarts Serenaden-Sinfonie-Divertimento B-Dur KV 137 formten sie mit leichtfüßigem Schwung aus, daß es eine Freude war. Das symphonische Miteinander einerseits und die hervortretenden Stimmen andererseits brachten sie aber erst recht in Antonín Dvořáks Serenade E-Dur zur Geltung. Der Streicherklang des Stuttgarter Kammerorchesters ist von großer Geschmeidigkeit, ließ aber auch wunderbar das singende Cello-Duo im zweiten Satz hervortreten, worauf die Violine antwortete. Den zweiten Satz legte Matthias Foremny sehr weich, geradezu schmelzend an, fand hier aber auch das Fundament, Motive herauszuheben und danach vom Scherzo bis zum Finale immer mehr an Rasanz und Feuer zu gewinnen.

17. April 2016, Wolfram Quellmalz

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