Orgelkonzert in Dresden-Plauen

Kensuke Ohira zu Gast in der Auferstehungskirche

Die Auferstehungskirche Dresden-Plauen ist einen Besuch wert und vielen Musikfreunden bekannt, wie die zahlreichen Zuhörer des Orgelkonzertes am gestrigen Freitag bewiesen. Allein Bauwerk und Orgelgeschichte lohnen, hier zu verweilen (Interessierte können sich auf der Internetseite der Gemeinde informieren). Im Jahresplan ist ein umfangreicher Konzertkalender zu finden. Die Kantorei um KMD Sandro Weigert hat nicht nur viele Musiker in den eigenen Reihen, sondern empfängt zahlreiche namhafte Gäste wie die Elblandphilharmonie, das Hornquartett der Dresdner Philharmonie oder Solisten.

Zum Orgelkonzert am Freitag war Kensuke Ohira angereist. Derzeit hat er das Amt eines Musikalischen Assistenten an der Stiftskirche Stuttgart inne und führt seine Studien in München fort. Der 1. Johann-Pachelbel-Preis (Interpretationswettbewerb der ION – Musica Sacra) in diesem Jahr soll weiterhin zu einer CD-Produktion mit dem Bayerischen Rundfunk führen.

An der Eule-Orgel ließ Kensuke Ohira Werke erklingen, die sich ihrer Entstehungszeit nach in drei Gruppen unterteilen lassen: die »Väter« Pachelbel und Bach, die »Söhne« Müthel und ebenfalls Bach sowie unsere, die Zeit des Spielers und der Zuhörer. Den »Söhnen« räumte Kensuke Ohira mit zwei Werken Raum ein, der Phantasie und Fuge c-Moll (Wq 119, Nr. 7) von Carl Philipp Emanuel Bach und vor dem Abschluß Johann Gottfried Müthels Phantasie Es Dur (Nr. 4). Der Organist ließ die Werke aus der »empfindsamen Zeit« mit großer Farbigkeit erblühen. Flink und mit großer Leichtigkeit und Feingliedrigkeit schienen sie ein Sich-öffnen der Gedanken zu beinhalten, waren frei von strukturellen Zwängen, wozu noch eine helle, lebendige Registrierung beitrug.

Als große Bereicherung erwiesen sich gerade die modernen Werke von Arvo Pärt und Kensuke Ohiras Landsmann Yui Kakimura (1961 geboren). Pärts minimalistische Musik läßt sich oftmals auf den harmonischen Dreiklang von Kirchenglocken zurückführen, was er selbst Tintinnabuli-Stil (»Tintinnabuli« = »Glöckchen«) bezeichnet. Auch in »Pari Intervallo« liegt diese Harmonie – ein Werk, das im Baß ruhig fortschreitet und eine Gesangsmelodie begleitet. Ganz anders, doch ebenso mit Ruhe, ist Kakinumas »Lotus«. Obertönig umlaufen sich Töne wie ein Wasserspiel, folgen der asiatischen Chromatik und scheinen zu perlen wie die Wassertropfen auf einer Lotusblume.

Zwischen diese Werke hatte Kensuke Ohira Johann Pachelbels »Aria Quinta« (eine Arie mit Variationen aus dem »Hexachrodum Apollinis«) gesetzt, während Johann Sebastian Bach erst seinem Sohn Carl Philipp Emanuel folgte (Choral BWV 658 »Von Gott will ich nicht lassen«) und das Programm schließlich beendete (aus dem gleichen Verzeichnis wie zuvor BWV 654 »Schmücke dich, o liebe Seele« sowie Präludium [Toccata] und Fuge BWV 566).

Kensuke Ohira gestaltete nicht nur ein hinsichtlich Besinnung bzw. Verinnerlichung und Aussage bzw. Expressivität ausgewogenes Konzert, sondern fand in verschiedenen Klangepochen eine musikalische Entsprechung an der Eule-Orgel, wofür er viel Zustimmung erhielt.

13. August 2016, Wolfram Quellmalz

Weitere Informationen zur Orgel und zu Veranstaltungen:

http://www.auferstehungskirche-dresden.de

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