Händels empfindsame Arien

Siebentes Kammerkonzert in der Hoflößnitz

Georg Friedrich Händel ist heute nicht nur für seine feierlichen Werke der Londoner Zeit bekannt, sondern ebenso für Cembalosuiten, Kantaten, Passionen. Im Jahr 1719 wurde seine »Brockes-Passion« in Hamburg uraufgeführt, deren Text ein Ratsherr der Hansestadt, Heinrich Brockes, auf Basis den vier Evangelisten-Erzählungen verfaßt hatte. Im gleichen Jahr kam Händel nach Dresden – und versuchte, Sänger der Königlichen Hofoper für London abzuwerben (was teilweise gelang).

In seiner neuen Heimat London erlebte der Komponist eine Blütezeit, erfreute sich der Erfolge und eines aufregenden Lebens, es dürfte zuweilen aber auch ein lauter, turbulenter Ort gewesen sein. Mit dem Beginn der Epoche der Aufklärung wuchs gleichzeitig das Bedürfnis nach schlichteren Formen, die sich auf wesentliche Aspekte konzentrierten. In der Musik kam dies unter anderem in kleiner besetzten Werken zum Ausdruck, die auf eine Melodiestimme und eine schlichte Begleitung vertrauten. Händels zwischen 1724 und 1727 entstandene »Neun deutsche Arien« gehören dazu, die Texte stammten wiederum von Heinrich Brockes‘. Die ersten Bände seiner Gedichtsammlung »Irdisches Vergnügen in Gott« waren gerade erschienen.

Mit der Sopranistin Marie Friederike Schröder in Begleitung der Batzdorfer Hofkapelle kamen die neun Arien am Sonntagnachmittag im Lust- und Berghaus der Hoflößnitz zur Aufführung. Dabei gingen die Musiker nicht streng numerisch vor, sondern hatten die Reihenfolge frei und die Arie »Süße Stille, sanfte Quelle, ruhige Gelassenheit«, welcher das Thema des Konzertes entlehnt war, als stilles Ende gewählt. Eingeleitet und unterbrochen wurde das Programm durch vier instrumentale Werke, welche gut zum empfindsamen Charakter der Arien paßten. Neben zwei Triosonaten und einer Cembalosuite konnte vor allem die Bearbeitung zweier Kompositionen für Spieluhren, von Stefan Maass und Stephan Rath auf ihren Lauten vorgetragen, beeindrucken. Trotz ihrer Feingliedrigkeit und eines schnellen Taktes hatten sie nichts hektisches, bewahrten mit erzählerischem Duktus Ruhe und Stille.

So stand ganz das Wort im Mittelpunkt. Der Verständlichkeit dessen Aussage dürfte Händel am Herzen gelegen haben – hier konnte man sie erfahren. Mit markanten Färbungen, etwa in der Wiederholung von »es ist nur Farb‘ und Schein«, betonte Marie Friederike Schröder sanft, verwies auf Inhalte, mußte sich aber auch immer wieder sportlich in die Höhe schwingen. Trotz der Feinheit des Formates erkannte man den Opernkomponisten Händel wieder, war an seinen »Giulio Cesare« erinnert oder – gerade in der Begleitung der Sängerin mit wechselnden Soloinstrumenten – an seine Kantaten.

Mit Händels Arien gelang den Musikern eine gedankliche Konzentration weg von Eitelkeit oder Ehrgeiz auf geistige Anreize: Zierde, Schönheit, süße Stille.

22. August 2016, Wolfram Quellmalz

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