Orgel, Stimme, Bild

Abschluß des Dresdner Orgelzyklus’ 2016

Am Mittwoch nach dem 1. Advent schließt der Dresdner Orgelzyklus jeweils mit einem Konzert in der Kreuzkirche ab. Holger Gehring, Kreuzorganist und einer der Initiatoren der Reihe, stellt zu diesem Anlaß jeweils ein vorweihnachtliches Programm zusammen, das mehr als nur eine Orgel bietet. In den letzten Jahren war meist das Barockensemble der Kreuzkirche mit dabei, statt der großen erklang oft die kleine Truhenorgel. Dem Anspruch des »Orgel plus« wurde das Konzert auch in diesem Jahr gerecht: am Mittwochabend spielte Holger Gehring beide Instrumente, Karl Hänsel übernahm in Hans Leo Hasslers »Magnificat peregrini toni« und Nicolas de Grignys Hymnus »Ave Maria Stella« die gregorianischen Gesänge. Zudem gab es Bildprojektionen von Objekten im Altarraum zu sehen, die einstmals zum Inventar der (alten) damals noch katholischen Kirche gehörten, später entfernt wurden, über die Jahrhunderte aber an anderen Orten erhalten blieben.

Es war eine spannende Begegnung: Das Bild »Maria hilf« (1520, heute Teil des Hochaltars im Dom Innsbruck) von Lucas Cranach dem Älteren wurde am Anfang und am Ende zu in den Jahren nach Cranach entstandenen Kompositionen gezeigt, des auch in Dresden wirkenden Organisten Hans Leo Hassler und des heute wenig bekannten Nicolas de Grigny. Die in den Jahren nah beieinanderliegenden Werke in Musik und Bild schienen eine Entsprechung ineinander zu finden. Karl Hänsels klare Stimme vertiefte dazu die Eindringlichkeit, die sich gleichermaßen in den abwechselnden Orgelsätzen ergab (an der kleinen Wegscheiderorgel ebenso wie am Hauptinstrument von Jehmlich).

Ab dem zweiten Stück war Holger Gehring auf der Orgelempore zu erleben, auch hier ergänzten sich zunächst Choralbearbeitungen (BWV 680, 635, 678 und 679) sowie Praeludium und Fuge h-Moll (BWV 544) Johann Sebastian Bachs mit den zehn Gebotstafeln von Johann (Hans) dem Maler. Sie entstanden 1528 / 29 und sind heute in der Dauerausstellung des Stadtmuseums Dresden.

Im kommenden Jahr feiern wir den 500. Jahrestag der Reformation, doch stellt sich mit dem Jubiläum die Frage, was uns die Reformation heute bedeutet. Das Programm des Orgelzyklus verharrte nicht in der Betrachtung des Damals, sondern spiegelte mit den heute entstandenen Photos des Renaissance-Altars (Hans Walter, entstanden zwischen 1573 und 79, heute St. Johanniskirche Bad Schandau) die Zeitachse von der Vergangenheit in die Gegenwart. Auch musikalisch führte der Abend vom 16. bis 20. Jahrhundert, mit Marcel Duprés »Crucifixion«, César Francks »Prière« Opus 20 sowie Jean Langlais »Résurrection« Opus 5, Nr. 1.

Der Orgelzyklus 2017, in den (in der zweiten Jahreshälfte) die neue Konzertorgel des Kulturpalastes aufgenommen wird, beginnt am 1. Februar in der Frauenkirche. Eine Woche später werden in der Kreuzkirche Symphonische Impressionen erklingen.

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