Biennale-Barocca

Junges Musikpodium Dresden-Venedig

In Zeiten, da Kulturbudgets in ganz Europa von starken Kürzungen betroffen und Projekte bedroht sind, freut sich das Junge Musikpodium schon deshalb, weil es im Gegensatz zu anderen ambitionierten Vorhaben noch existiert. Dennoch haben auch hier viele Unterstützer ihre Zuwendung gekürzt oder gar eingestellt. Neue Förderer und Mäzene zu werben, ist daher ein wichtiges Anliegen, mit den Konzerten gab es jetzt Gelegenheit, Unterstützer zu »aktivieren«.

Seit seiner Gründung 1999 war das Junge Musikpodium jährlich in Dresden zu Gast, seit 2014 wird die Reihe im Biennale-Rhythmus fortgesetzt. Im 16. Jahrgang folgten nach den Konzerten im Rahmen des September-Workshops in Italien nun die Auftritte in Deutschland: in Dresden konnte man die öffentliche Generalprobe im Albertinum (Mittwoch) für das Konzert auf Schloß Albrechtsberg am Freitag besuchen, für die Förderer fand zuvor eine geschlossene Veranstaltung in der Gemäldegalerie Alte Meister statt. Heute, am Sonnabend, wird das Konzert im Berliner Musikinstrumentenmuseum wiederholt – der Ausflug gehört zur Tradition des Podiums. Doch damit nicht genug – so wie gestern und vor einer Woche kann man an den kommenden beiden Freitagen halbstündige »Intermezzi« mit Podiumsteilnehmern in der QF-Passage an der Frauenkirche erleben.

Ein Erlebnis waren die Konzerte auch in diesem Jahr. Wie immer konnten sich für das Podium Schüler verschiedener Musikschulen aus Europa bewerben – nur die besten wurden genommen. Einige Dresdner gehörten dazu, schließlich ist das Sächsische Landesgymnasium für Musik Kooperationspartner. Stefano Montanari (Violine und Leitung) sowie Ivano Zanenghi (Laute) haben sich über die Jahre als Mentoren und Inspiratoren bewährt, ein Umstand, den man auch in den Konzerten bemerkt. Und: stets gibt es hervorragende Solisten aus den eigenen Reihen oder solche, die ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben – das Junge Musikpodium ist eben mehr als ein »Schulkonzert«.

In diesem Jahr war die Sopranistin Giulia Bolcato mit nach Dresden gekommen – sie stammt aus Vicenza, einem der italienischen Auftrittsorte. Intonationssicher und brillant bezauberte sie mit einer kraftvollen, geschmeidigen Stimme über eine große Tonskala gleichmäßig ausdrucksstark. Mit Arien von Antonio Vivaldi, Nicola Antonio Porpora und Georg Friedrich Händel gestaltete sie vier ganz unterschiedliche Werke und blieb selbst in markantesten Passagen lyrisch. Eine Wiederholung von Porporas Arie »Alto Giova«, die auch Jan Vogler schon auf dem Cello eingespielt hat, war als Zugabe geradezu zwingend.

Die Brücke Italien-Dresden existiert seit Jahrhunderten. Antonio Vivaldi schrieb der Hofkapelle Werke auf den Leib, gab eine Dresdner Fassung der »Quattro stagioni« mit Holzbläsern heraus. Auch in Georg Friedrich Händels Werken gibt es einen Bezug auf »la traditione di Dresda«. Mit je zwei Konzerten von Vivaldi und Händel gaben die jungen Musiker Kostproben ihres Könnens, die an Virtuosität und Farbigkeit keine Wünsche offenließen. Neben der Dresdnerin Charlotte Thiele sorgten weitere Solisten und Duopartner für eine glanzvolle Concerti-grossi-Atmosphäre.

2. Dezember 2016, Wolfram Quellmalz

Tip: »Intermezzi« mit Duo- und Quartettformationen am 9. und 16. Dezember, jeweils 17:00 bis 17:30 Uhr, QF-Passage

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