Mitten im Weihnachtsfestkreis

»In dulci jubilo« zu Silvester in der Versöhnungskirche

Während das alte Jahr oft mit festlichen Blechbläser-, Pauken- und Orgelklängen verabschiedet wird, kann man das Silvesterdatum auch als Mittelpunkt des Weihnachtsfestkreises zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar sehen. »In dulci jubilo« (wörtlich »In süßer Freude«) war also ein passender Titel des Konzertes in der Versöhnungskirche Striesen. Pfarrer Albert Hantsch erinnerte an das scheinbare Eilen der Zeit, den gefühlten Mangel derselben. Während die Zeit aber stetig voranschreitet, liegt es an uns selbst, den inneren Rhythmus zu finden. Diese Suche gehört zu unseren Grundbedürfnissen und prägt den Charakter zahlreicher Musikstücke.

Dieses Bedürfnis führte am Sonnabend zahlreiche Besucher in die Versöhnungskirche Striesen. Der Kammerchor der Kirche, ein kleines Musikerensemble sowie fünf Solisten spürten unter der Leitung von Margret Leidenberger der Weihnachtsbotschaft nach. Im Mittelpunkt standen Werke der Spätrenaissance, doch erinnerte nicht zuletzt das im Orchester verwendete Psalterion daran, daß fremde, in diesem Fall orientalische Einflüsse viel zur Entwicklung unserer Musik beigetragen haben – nicht nur eine Zeit- auch eine Raumreise findet sich in den Werken.

Auf dem Programm standen Stücke von Komponisten vornehmlich des 16. Jahrhunderts wie Johann Hermann Schein, Johann Walther oder Michael Praetorius. Manche, wie Walther, trugen durch die Vertonung von Luthertexten zur Verbreitung des Reformationsgedankens bei, jedoch besannen sich alle schon auf ihre Vorgänger. Und so waren »Nun komm der Heiden Heiland« ebenso wie »Vom Himmel hoch« in den Sätzen verschiedener Komponisten zu hören.

Der stetige Wechsel von Gesangssolisten, Chor und Orchester gelang stimmig und ergänzte sich, so auch in Michael Praetorius‘ »Magnificat super Angelus ad Pastores« mit lateinischen und deutschen Textpassagen. Der eingangs genannte Zeitgedanke, das Innehalten und Bedenken, brachten die Sänger nicht allein durch Ausgewogenheit, sondern ebenso mit Klarheit zum Ausdruck – die Texte waren Botschaft.

Heidi Maria Taubert (Sopran), Stefan Kunath (Alt), Benjamin Glaubitz und Michael Schaffrath (Tenor) sowie der kurzfristig eingesprungene Martin Schicketanz (Baß) erwiesen sich als Solisten bis hin zum Quintett als ebenso starke Besetzung wie das unter Posaunist Ercole Nisini spielende Orchester. Von letzterem stammte »Ninna nanna Romanesca«, ein Wiegenlied und das modernste Stück des Abends.

Margret Leidenberger bündelte die Stimmen von Solisten, Chor und Instrumenten. Im Wechsel von polyphonem Gesang, Chorälen und festlichen Klängen gelang ihr ein spannungsreiches Konzert mit einem wunderbar pastoralem »O Jesu mi dulcissime« von Felice Anerio in der Bearbeitung Ercole Nisinis. Einer der Höhepunkte war Michael Praetorius »Es ist ein Ros entsprungen«, was verständlicherweise als Zugabe noch einmal wiederholt werden mußte.

1. Januar 2017, Wolfram Quellmalz

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