Prague Philharmonia in der Dresdner Frauenkirche

Pastorale Musik und Weihnachtskonzerte

Die Werkauswahl um die typischen italienischen Weihnachtskonzerte ist groß, und so gibt es selbst dann wenig Überschneidungen, wenn innerhalb einer Woche unterschiedliche Orchester vergleichbare Programme konzipiert haben. Denn die Musik der »Piffari« ist nicht nur »pfiffig«, sondern hat eine ganze Reihe weiterer Werke ausgelöst und angeregt.

Das Kammerorchester der Prager Philharmoniker spielte am Dienstagabend nicht nur Vivaldi und Sammartini, sondern hatte auch den Landsmann František Václav Míča und Wilhelm Friedemann Bach auf sein Programm gesetzt, zudem gab es mit Gioacchino Rossini einen Ausflug ins 19. Jahrhundert.

Begonnen hatte der Abend aber mit Tomaso Albinonis Adagio für Orgel und Streicher. Und: Altarraum hin oder her – man kann hier durchaus schwebenden Klang erzeugen, der die Kirche ausfüllt. Obwohl Prague Philharmonia gar nicht in Kleinstbesetzung spielten, hatten sich die Musiker offenbar mit der Raumsituation vertraut gemacht und viel Wert auf Feinheiten gelegt, ein Qualitätsmerkmal, das den ganzen Abend prägte. Wem es Vergnügen bereitet, Stimmen herauszuhören, Duette und Trios zu verfolgen oder auf das Pizzicato im Baß zu achten, bekam hier jede Menge für die Ohren zu entdecken.

Dabei blieb das Orchester gar nicht zu bedächtig, sondern kehre auch den fröhlichen Charakter der Werke hervor, wenn etwa in Vivaldis Konzert für Violine, Violoncello, Streicher und Basso continuo (RV 547) die Musik voller Auswärtsgirlanden zu lachen scheint. Nur manches geriet in der Bedachtsamkeit zu gemächlich, gerade Vivaldi hätte etwas mehr »Feuer« vertragen.

Aber solche Einschränkungen waren marginal, zauberten die Prager doch sonst eine festliche Fröhlichkeit in die Frauenkirche, in der selbst der Kontrabaß in Rossinis Streichersonate Es-Dur einmal singen durfte.

Immer wieder begeisterte vor allem die Durchhörbarkeit, wenn zum Beispiel die »Dissonanzen-Sinfonie« des »Dresdner Bach« wie gläsern gespielt wurde, mit einem verträumten Menuett am Ende.

Bevor Giuseppe Sammartinis »Weihnachtskonzert« den Abend als feierlichen Höhepunkt beschloß, gab es mit dem »Winter« aus Antonio Vivaldis »Jahreszeiten« eine der wenigen Doppelungen mit anderen Programmen in diesen Tagen. Auch hier herrschte der leichte, gläserne Charakter vor. Jan Fišer, Konzertmeister und Solist, setzte statt extrovertierter Virtuosität auf den innerlichen Jubel des Violingesangs und blieb dicht bei dem ihn umgebenden Orchester. Dieses zeichnete auch den Winter besonders fein – die Pizzicati im Largo klangen, als gäbe es nichts schöneres als Regentropfen im Winter. Tristezza? In nessun caso!

21. Dezember 2016, Wolfram Quellmalz

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