Weihnachtsstresskonzert

I Musici di Roma mit italienischem Barock

Die festlichen Pastoralen und Konzerte von Francesco Manfredini, Pietro Locatelli oder Giuseppe Torelli sind in der Advents- und Weihnachtszeit immer wieder da zu hören, wo Barockmusik eine große Bedeutung hat. Die Frauenkirche ist einer der Orte, wo man eine Auswahl der Stücke jedes Jahr erleben kann, oft sogar mehrfach. Die Werke glitzern und funkeln fast schon von allein, doch kann allzuviel Routine ihnen dennoch schaden – ohne Inspiration wird Musik nicht lebendig. Noch schlimmer ist, wenn man sich schlicht nicht darum kümmert, wie es denn klingt.

I Musici di Roma waren bei weitem nicht zum ersten Mal in der Frauenkirche zu Gast, aber offenbar haben sie nicht einmal selbst überprüft, wie das, was sie tun, im Kirchenraum ankommt. Denn abgesehen vom ungünstigeren Platz im Altarraum spielten sie viele der Werke derart schnell und wild, daß beinahe jede Festlichkeit dahinschmolz.

Arcangelo Corelli, der einst die Gattung der Concerti grossi geprägt hatte, war der zentrale Komponist des Abends. Neben zwei Werken aus seinem Opus 6, der Nr. 4 und dem Weihnachtskonzert Nr. 8, erklang abschließend Francesco Geminianis Bearbeitung des La-follia-Themas von Corelli in 24 Variationen. Ergänzt hatten I Musici dies um einen Beitrag Pietro Castuccis und den »Winter« aus Vivaldis Jahreszeiten.

Wirklich schön gelangen leider nur die Grave-Sätze und einige der Adagios, aber nicht nur bei der Bezeichnung Largo andante verblüffte das Orchester mit seiner flotten Gangart. Noch heftiger gerieten die wirklich schnellen Sätze, welche I Musici di Roma ohne Ausnahme gehetzt herunterfetzten. Davon, die für Concerti grossi typischen Solostimmen verfolgen zu können, den Austausch der beiden Violinen oder das Trio mit dem Violoncello, war das Publikum leider weit entfernt. Was wahrnehmbar blieb, war ein fröhlicher Rausch über einem begleitenden Baß, wobei dies noch lange nicht hieß, daß die Stimmen im Tempo zusammenpaßten. Auch Konzertmeister Antonio Anselmi ließ es in seinem wilden Spiel an Intonationssicherheit fehlen.

Die Pausen zwischen den Sätzen schienen keiner Stringenz zu unterliegen: mal waren sie recht lang, dann wiederum ließen I Musici Sätze ineinander überfließen – eigentlich ein schöner Effekt, wenn es sonst gepaßt hätte. In der zweiten Hälfte des Programms, vor allem bei Corellis Weihnachtskonzert und in Vivaldis »Winter«, verloren sich die Musiker in manchen Überbetonungen süßlicher Schluchzer, das konnte ein beeindruckend frostiger Beginn des »Winters« dann nicht mehr ausgleichen.

So fiel die Spannung in Geminianis Variationen schließlich deutlich ab, trotz auch hier noch einmal schöner Grave-Teile.

Als Zugabe hatten I Musici dann leider nicht mehr zu bieten als einen wild zerzausten Vivaldi (»Der Sturm« aus dem »Herbst«). Alles nur Routine?

16. Dezember 2016, Wolfram Quellmalz

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