Alle Oper!

Philharmonie spürt den Gesangslinien italienischer Barockmusik nach

Zum Konzert in der Schloßkapelle kam erneut Bernhard Forck, Konzertmeister der Akademie für Alte Musik Berlin, nach Dresden. Die zwanzig Musiker um KM Wolfgang Hentrich schufen unter dem beeindruckenden Schlingrippengewölbe einen warmen, goldenen Klang mit Werken, die in Italien entstanden oder vom italienischen Stil beeinflußt worden waren.

Die Suite HWV 43 war aus Teilen Georg Friedrich Händels Oper »Rodrigo« (HWV 5) zusammengestellt und als Schauspielmusik sowie Ouvertüre verwendet worden, wie jetzt in den Konzerten der Philharmonie. Wie so oft präsentierte sich das Orchester anpassungsfähig und verströmte trotz recht trockener Akustik einen satten, reichen Klang mit jubilierenden Violinen. Immer wieder prägte der Concerto-grosso-Stil die Stücke des Abends, so schon in der einleitenden Suite mit ihren Wechseln zwischen Tutti-Spiel und begleiteten Solisten, die aber ein wenig rasant zu Ende ging.

Als Entdeckung entpuppte sich das nachfolgende Concerto a quattro Baldassare Galuppis. Der venezianische Komponist war vor allem in der Oper zu Hause, hat aber auch beeindruckende Klavier- bzw. Cembalosonaten in der Nachfolge Scarlattis geschrieben, die nachzuhören nur empfohlen werden kann. Sein Concerto ist geprägt von den Singstimmen der Streicher und beginnt mit dem Lamento, einer Altarie der Violine. Bernhard Forck ließ die Sätze an diesem Abend oft ineinandergleiten, knüpfte so Bezüge enger. Immer wieder ließen es die Musiker glitzern, sorgten für musikalische Leichtigkeit und Frische, was Galuppis phantasievollem Werk besonders guttat.

An Antonio Vivaldi kommt man bei solch einem Programm natürlich kaum vorbei, doch findet sich in seinem reichhaltigen Schaffen weit mehr als die »Quattro stagioni« oder »600 gleich geschriebene Konzerte«, wie Igor Strawinsky behauptet haben soll. Sein Concerto grosso RV 565 gab Bernhard Forck und Wolfgang Hentrich reichlich Gelegenheit, miteinander zu brillieren, ohne dabei die Partnerschaft mit dem Orchester aufzugeben – primi inter pares. Kratzig, lebendig begannen sie, als umkreisten sich Schlittschuhläufer auf dem Eis. Aber auch das Violoncello (Matthias Bräutigam) entwickelte sich eine geschmeidige Gesanglichkeit.

Pietro Locatellis »Il pianto d’Arianna«, der Gattung nach ein Konzert, liegt ein Opernthema zugrunde: Ariadne, die erst Theseus hilft, den Minotaurus zu besiegen, später aber von ihm verlassen wird. Ganz ohne Text hat Locatelli die Tränen in Musik gegossen, hier sangen nicht nur die Solisten, sondern ebenso das Orchester.

Auch der Franzose Georg Muffat hat eine wesentliche Prägung durch einen Italienaufenthalt erfahren. Seine Sonate Nr. 5 wuchs zu einer tänzerischen Suite, die mit einer eindrucksvollen Passacaglia gipfelt, worin die Philharmonie viel Fein- mit Klangsinn vereinte.

Als Zugabe und Dank gab es noch einmal ein Vivaldi-Allegro für zwei Violinen und Orchester.

15. Dezember 2016, Wolfram Quellmalz

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s